Spanien preist Meistermacher Simeone

18. Mai 2014, 14:11
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Argentinischer Trainer führte Atletico zum ersten Titel seit 18 Jahren. Gefeiert wurde schaumgebremst - auch die CL will noch gewonnen werden - Verletzte bei Abstiegsdrama in Pamplona

Barcelona/Madrid - Lange feiern durften die Spieler von Atletico Madrid ihren ersten Titelgewinn in der Primera Division seit 1996 nicht. Trainer Diego Simeone, in Spanien als neuer Fußball-Guru gefeiert, schickte seine Profis nach dem entscheidenden 1:1 beim FC Barcelona am Samstagabend schnell ins Bett, schließlich will das Sensationsteam am nächsten Samstag gegen Stadtrivale Real auch noch die Champions League gewinnen.

"Mit diesem Triumph haben wir auch den Sieg in der Champions League eingeleitet", sagte Sportdirektor Jose Caminero nach dem 1:1 im letzten Saisonspiel vor 98.000 Zuschauern beim FC Barcelona, mit dem der Madrider Arbeiterverein die Meisterschaft perfekt machte.

"Bester Trainer der Welt"

Die Medien feierten den 44-jährigen argentinischen Coach am Sonntag als "Genie". "Simeone ist Kopf und Herz des neuen Meisters", schrieb die Sportzeitung "Mundo Deportivo", während sich der ehemalige Atletico-Profi Paulo Futre in seiner "El Mundo"-Kolumne zu der Behauptung verstieg: "Er ist der beste Trainer der Welt".

Simeone selbst war natürlich klar, was er in dieser Saison mit den Rojiblanco geleistet hat. "Es ist unglaublich, fantastisch. Dieser Tag ist einer der wichtigsten der Vereinsgeschichte." Nach dem Abpfiff war der Argentinier im Camp Nou von seinen Schützlingen in die Luft und sogar von Fans der gegnerischen Mannschaft mit respektvollem Applaus bedacht worden. Die Spieler lobten die Motivationskünste des Trainers in höchsten Tönen. "In der Halbzeit war er trotz des 0:1-Rückstands seelenruhig, hat uns gesagt: "Glaubt mir, Burschen, das schaffen wir"", verriet Außenverteidiger Filipe Luis.

Rückschläge weggesteckt

Dabei hatte Atletico in der ersten Halbzeit neben dem Ausfall von Goalgetter Diego Costa (15.) und Spielmacher Arda Turan (23.) auch noch den Rückstand durch Alexis Sanchez (34.) verdauen müssen. Nach der Pause setzten die Gäste alles auf eine Karte und kamen zum Ausgleich durch Diego Godin (48.). Obwohl die offizielle Feier erst für Sonntagabend angekündigt war, versammelten sich Tausende Fans schon Samstagnacht singend und tanzend am Madrider Neptunplatz.

Atletico gewann mit 90 Zählern und drei Punkten Vorsprung vor Barcelona und Real nicht nur den zehnten Titel seiner 111-jährigen Geschichte. Die Rot-Weißen, am Samstag ganz in Gelb angetreten, beendete damit auch die Vorherrschaft der großen Zwei. Seit 2003/04, als der FC Valencia den Titel holte, waren nur Rekordmeister Real und Barcelona erfolgreich gewesen.

Arm, aber Champ

"Wir haben heute Geschichte geschrieben!", rief Simeone, nachdem er nach dem Abpfiff zuerst auf die Tribüne geeilt war, um seinen Vater zu umarmen. Den bis dahin letzten Atletico-Titel hatte er noch als Profi miterlebt. Bei einem Saisonetat von 120 Millionen Euro müssen die "Colchoneros", die Matratzenmacher, im Vergleich zu Barcelona (650 Mio.) und Real Madrid (580) mit Peanuts auskommen. Wegen leerer Kassen und Schulden von 150 Millionen Euro war Atletico in den letzten Jahren dazu gezwungen, Stars wie Fernando Torres, Sergio Agüero oder Radamel Falcao zu verkaufen. Dabei wird es auch nach dem großen Erfolg bleiben.

Der nächste könnte bereits am kommenden Samstag in Lissabon folgen. Ob Costa und Turan nach ihren Muskelverletzungen im Estadio da Luz dabei sein werden, ist noch fraglich. Deshalb murrte auch niemand, als Simenone seine Leute nach dem Rückflug und einem bescheidenen Abendessen mit wenig Sekt in einem Madrider Steakhaus relativ früh ins Bett schickte. Sein Credo ("Arbeit, Arbeit, Arbeit") haben sie alle längst verinnerlicht.

Umbruch in Barcelona

In Barcelona dagegen endete die Ära von Gerardo Martino schon nach einer Spielzeit. "Es tut mir sehr leid, dass der Klub die Ziele nicht erreicht hat, die er normalerweise erreicht", sagte Simeones Landsmann und gab seinen Rücktritt bekannt.

Luis Enrique steht bereits als Nachfolger in den Starlöchern und wird voraussichtlich mit einer runderneuten Mannschaft den Neustart angehen. Präsident Josep Maria Bartomeu kündigte einige Veränderungen an. "Ein paar Spieler wissen schon, dass sie in der nächsten Saison eventuell nicht mehr unser Trikot tragen werden."

Verletzte in Pamplona

Unterdessen folgten Osasuna und Real Valladolid Betis Sevilla in die zweite Liga. In einem chaotischen Abstiegsfinale nutzte Osasuna am Sonntag ein 2:1-Erfolg gegen Betis nichts. Die Partie in Pamplona musste für eine halbe Stunde unterbrochen werden, nachdem eine Absperrung dem Druck der Zuschauer nach dem Führungstreffer der Basken in der 12. Minute nachgegeben hatte.

Rund 40 Verletzte wurden auf dem Spielfeld erstversorgt, zehn Personen ins Krankenhaus eingeliefert. Laut lokalen Rettungsorganisationen gab es jedoch keine schweren Verletzungen. Durch die Unterbrechung musste der Wiederanpfiff der zweiten Spielhälfte in drei anderen Partien mit Auswirkung auf den Abstiegskampf verschoben werden.

Osasuna muss nach 14 Jahren Erstklassigkeit den Gang in die Segunda Division antreten. Drei Zähler reichten am Ende nicht, da auch Granada mit einem 1:0 bei Valladolid siegreich blieb. Almeria rettete ein 0:0 gegen Bilbao, der 1:0-Auswärtserfolg von Getafe bei Rayo Vallecano endete indes mit Tumulten auf dem Spielfeld nach Schlusspfiff (APA/sid/red - 18.5. 2014)

  • Auch andere als Barca oder Real können spanischer Fußballmeister werden. Durch "harte Arbeit, gegenseitigen Respekt" und einer Spielweise, in der sich "jeder für den anderen einsetzt." (Diego Simeone)
    foto: ap/fernandez

    Auch andere als Barca oder Real können spanischer Fußballmeister werden. Durch "harte Arbeit, gegenseitigen Respekt" und einer Spielweise, in der sich "jeder für den anderen einsetzt." (Diego Simeone)

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