Mindestens 30 Tote bei Hochwasser in Bosnien und Serbien

17. Mai 2014, 21:28
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95.000 Haushalte ohne Strom - Hilfe aus Salzburg unterwegs - Entspannung in Tschechien und Polen

Sarajevo - Die Zahl der Toten bei den schlimmsten Überschwemmungen in Serbien und Bosnien seit mehr als einem Jahrhundert hat sich am Samstag auf mindestens 30 erhöht. Allein im nordbosnischen Doboj wurden mehr als 20 Tote in die örtliche Leichenhalle gebracht, wie Obren Petrovic, der Bürgermeister der Stadt, am Abend im Fernsehsender FTV mitteilte.

Die bosnischen Behörden hatten zuvor von mindestens 13 Toten auf ihrem Staatsgebiet gesprochen, darunter sechs aus Doboj. Aus Serbien wurden zunächst nur drei Todesfälle bestätigt. Allerdings teilte die Regierung in Belgrad nach Berichten über die Bergung weiterer Leichen mit, die endgültige Bilanz solle erst nach dem Abschluss des Rettungseinsatzes bekannt gegeben werden.

Spezialteams

Die Österreichische Wasserrettung entsendete inzwischen Spezialteams aus Tirol, Salzburg, Kärnten und Wien. Die Teams sollen laut einer Aussendung vom Samstagabend vor Ort für Assistenzeinsätze zur Evakuierung und Hilfestellung zur Wiederherstellung der Infrastruktur eingesetzt werden. Sie arbeiten dort mit den Österreichischen Feuerwehren zusammen.

Seit mehr als 120 Jahren hat es in den betroffenen Gebieten keine derartig ergiebigen Regengüsse gegeben. Dutzende von Städten in Bosnien und Serbien standen unter Wasser. Aus der serbischen Stadt Obrenovac, südwestlich von Belgrad, wurden alle 20.000 Einwohner vorsichtshalber in Sicherheit gebracht. Bei Obrenovac gaben die Deiche nach, die das größte Kraftwerk des Landes umgeben. In Bosnien waren 60.000, in Serbien sogar 95.000 Haushalte von der Stromversorgung abgeschnitten.

Entwarnung in Sabac

Demgegenüber konnte in der serbischen Stadt Sabac, wo am Vortag eine Katastrophe gedroht hatte, Entwarnung gegeben werden. "Sabac ist gerettet und es droht im Moment keine Gefahr", sagte Generalstabschef Ljubisa Dikovic. Die Kreisstadt sei für einen Wasserstand des Save-Flusses bis zu 7,30 Metern gerüstet, während der Stand gegen Samstagmittag erst 6,30 Meter erreichte, beschrieb Serbiens Regierungschef Aleksandar Vucic die Lage.

Vucic bestätigte die Verhaftung von Geschäftsleuten, die die Notlage der Menschen ausgenutzt und die Preise für Mineralwasser und Lebensmittel um ein Vielfaches angehoben hätten. Zeitungen in Serbien berichteten am Samstag kritisch, dass die Meteorologen des Landes nicht rechtzeitig vor den Unwettern gewarnt hätten. Auf der anderen Seite kritisierten Freiwillige, die von der Regierung in Belgrad an die Brennpunkte geschickt worden waren, über die schlechte Organisation ihres Einsatzes.

Ein für Sonntag und Montag geplant gewesener Besuch von Vucic in Österreich wurde unterdessen wegen der Hochwasserkatastrophe in Serbien abgesagt. Das berichtete das Bundeskanzleramt am Samstag.

Katastrophenzug entsandt

Der Landesfeuerwehrverband Salzburg entsandte am Vormittag einen Katastrophenzug mit dem EU-Modul HCP (High Capacity Pumps) nach Serbien. Da beim serbischen Hilfsansuchen an die EU auch Boote angefragt wurden, wurde das Modul um vier Boote der Landesfeuerwehrverbände Kärnten und Oberösterreich verstärkt. Wie der Landesfeuerverband informierte, setzt sich der Katastrophenzug aus 17 Fahrzeugen, sechs Feuerwehrbooten und 57 Einsatzkräften zusammen. Drei der Einsatzkräfte sind Mitarbeiter des Roten Kreuzes Salzburg.

Der Katastrophenzug führt eine Hochleistungspumpe mit, die 15.000 Liter Wasser pro Minute bewältigt. Der Hochwasseranhänger ist mit mehreren Schmutzwasser-Tauchpumpen und einem Stromaggregat ausgestattet. Der internationale Hilfseinsatz ist vorerst für acht Tage geplant. Der detaillierte Aufgabenbereich wird den Helfern bei der Einreise nach Serbien mitgeteilt. Am Dienstag werden die eingesetzten Kräfte abgelöst.

Angespannte Lage im Norden Bosniens

Kritisch blieb die Lage im Norden Bosniens, wo in der Stadt Bijeljina 10.000 Menschen aus ihren überfluteten Häusern gerettet werden sollten. Insgesamt sei mit 1,2 Millionen Einwohnern ein Drittel der Bevölkerung des armen Balkanlandes von den Überflutungen in Mitleidenschaft gezogen, berichteten Medien. Besonders angespannt war die Lage in den Städten Doboj, Maglaj und Brcko. Im ganzen Land richteten Erdrutsche weitere schwere Verwüstungen an.

Nördlich von Österreich entspannte sich die Hochwasserlage unterdessen. Im Osten Tschechiens gingen die Pegelstände fast überall zurück. Leichte Anstiege gab es nur an den Flüssen im Isergebirge, wo es intensiv regnete. In fünf der sieben Verwaltungsregionen des Landes blieben die Einsatzkräfte vorerst in erhöhter Bereitschaft. In den nächsten Tagen wurden weitere Niederschläge erwartet.

Auch in Südpolen stabilisierte sich die Situation an der Weichsel und ihren Zuflüssen. In 34 Gemeinden herrschte weiterhin Hochwasseralarm, doch die Feuerwehr musste deutlich weniger Keller auspumpen und überflutete Straßen sichern als an den vergangenen Tagen. Am Samstag sollte die Weichsel in Krakau, der größten Stadt Südpolens, ihren höchsten Stand erreichen. Die Regenfälle dauerten unterdessen an. (APA, 17.5.2014)

  • Die völlig überflutete Stadt Obrenovac.
    foto: reuters/marko djurica

    Die völlig überflutete Stadt Obrenovac.

  • Evakuierung der Ortschaft Obrenovac südwestlich von Belgrad.
    foto: reuters/marko djurica

    Evakuierung der Ortschaft Obrenovac südwestlich von Belgrad.

  • Artikelbild
    foto: reuters/marko djurica
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