Die falsche Scheu vor der Technik

5. Mai 2014, 17:43
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Beim JournalistInnenfestival in Perugia präsentieren sich Journalistinnen-Initiativen, die Frauen den Zugang zu Technik und Datenjournalismus erleichtern wollen

"Es arbeiten viel zu wenige Frauen in diesem Bereich, das muss man ändern." Mariana Santos hat gehandelt und im Vorjahr die Iniative Chicas Poderosas (übersetzt: "mächtige Mädchen") gegründet, mit dem Ziel, Journalistinnen in Lateinamerika zu ermuntern, sich mehr mit Technik und Daten zu beschäftigen, was ein immer wichtigeres Thema in Newsrooms wird.

Die gebürtige Portugiesin, die in Stockholm Digital Media studiert und in Berlin bei Universal Studios gearbeitet hat, sieht den geringen Frauenanteil, wenn es um Datenjournalismus geht, nicht nur auf Lateinamerika beschränkt. Drei Jahre lang arbeitete sie im interaktiven Team des "Guardian", das mit der Aufbereitung von Geheimdienstdokumenten, die Edward Snowden zur Verfügung stellte, journalistisch für Aufsehen sorgte. Selbst beim "Guardian" habe es im Team bestehend aus rund hundert KollegInnen nur drei Frauen gegeben.

Mehr Frauen als Männer im Journalismus

"Inzwischen gibt es im Journalismus mehr Frauen als Männer. Aber sie müssen lernen, sich nicht nur durchzusetzen, sondern sich auch mit Technik auseinanderzusetzen", sagte Santos beim gestern zu Ende gegangenen Journalistenfestival in Perugia. Sie arbeitet derzeit im interaktiven JournalistInnenteam von "La Nación" in Costa Rica. Im April wurde von Chicas Poderosas erstmals ein Workshop in den USA veranstaltet, den viele JournalistInnen aus Lateinamerika besuchten und den die Knight Foundation unterstützte.

chicas poderosas channel

Ein Positivbeispiel präsentierte sich in Perugia selbst: Momi Peralta, die bei der argentinischen Zeitung "La Nación" Daten aufbereitet. So wurden 34.000 Datensätze entschlüsselt und in wochenlanger Arbeit etwa die Ausgaben des argentinischen Senats zwischen 2004 und 2012 aufgelistet. "Daraus entstanden einige Aufdeckerberichte", erzählte Peralta.

Die Scheu überwinden

Selbst als freie Journalistin in Europa könne man Datenjournalismus betreiben. Man müsse selbst die Initiative ergreifen und aktiv anbieten, erklärte die spanische Journalistin Mar Cabra. Sie arbeitet auch für das International Consortium of Investigative Journalism (ICIJ), das unter anderem Offshore-Leaks aufgedeckt hat. Sie präsentierte in Perugia ein Projekt, das die einzelnen Entwicklungshilfeprojekte in Spanien penibel auflistet: Wo was gemacht wurde und wieviel investiert wird.

Frauen hätten eine zu große Scheu vor Technik. "Aber die müssen wir überwinden, um gerade im Bereich der Zahlen eine weibliche Perspektive einzubringen", ist Santos überzeugt. (Alexandra Föderl-Schmid, dieStandard.at, 5. Mai 2014)

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