Inklusion mittelloser Frauen für Demokratie und Fortschritt nötig 

16. April 2014, 12:15
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Ungarische Politikwissenschafterin zu Gast bei Konferenz "Gleichstellungsprojekt Europa?" am Gunda Werner Institut 

Arme Frauen und solche aus der ArbeiterInnenklasse sind in den Institutionen der EU nicht repräsentiert. Das kritisiert die ungarische Politikwissenschafterin Mariann Dósa in einem Interview, das auf der Seite des Gunda Werner Instituts für Feminismus und Geschlechterdemokratie an der Heinrich Böll Stiftung veröffentlicht wurde. Dósa war zu Gast bei der Konferenz Gleichstellungsprojekt Europa?, die am 21. und 22. März statt fand.

In dem Interview führt die Politikwissenschafterin aus, dass Frauen auf viele Arten Ausschlüsse und Unterdrückung erfahren. Um das zu bekämpfen, sei eine gleichwertige Repräsentation aller dieser Frauen und den verschiedenen Formen von Diskriminierung auch auf politischer Ebene nötig.

Expertise und Sensibilität

Besonders arme oder obdachlose Frauen und solche, die Erfahrungen mit Prostitution gemacht haben oder noch immer machen, müssten mehr vertreten werden. Das benötige freilich Ressourcen von Seiten der EU, es bräuchte Expertise und Sensibilität und vielleicht, so Dósa, müssten EU-PolitikerInnen "dafür ausgebildet werden."

Der Zugang zu diesen Menschen jedoch sei nötig und "essenziell, um ein fortschrittliches und demokratischeres Europa zu erreichen, das mit den dringendsten sozialen Problemen umgehen kann."

In Inklusion investieren

Die aktuelle Situation bewertet sie als wenig positiv: Arme Frauen und solche aus der ArbeiterInnenklasse seien in den EU-Institutionen aktuell nicht vertreten. So gäbe es zwar zwei Roma-Frauen, die für Ungarn im EU-Parlament sitzen. Der soziale Status dieser Frauen sei jedoch in keiner Weise repräsentativ für den tatsächlichen Status von Roma-Frauen in der ungarischen Gesellschaft.

Laut Dósa ist es nötig, mehr in die Inklusion ausgeschlossener und randständiger Gruppen zu investieren. Dies wäre zum Beispiel sofort möglich, indem man marginalisierte Bevölkerungsgruppen in die Kampagnen für die EU-Wahl einschließt. Zudem schlägt sie Trainings für diese Gruppen sowohl als auch für EU-PolitikerInnen vor.

Effiziente Strategie

Sie selbst ist Mitglied der Gruppe The City is for All in Budapest, die aus ehemaligen oder aktuellen Obdachlosen sowie AktivistInnen besteht. Gemeinsam haben sie an parlamentarischen Ausschusssitzungen teilgenommen oder Positionspapiere erarbeitet und vorgestellt.

heinrich-böll-stiftung
Gábor Hajas undTessza Udvarhelyi, AktivistInnen der Gruppe "The City is for All".

Das habe sich als effiziente Strategie gewesen, am politischen Entscheidungsfindungsprozess teilzuhaben. Bevor sie mit ihrer Arbeit Druck aufgebaut hätten, sei Obdachlosigkeit nicht einmal vorgekommen in der politischen Agenda. (hein, dieStandard.at, 16.4.2014)

  • Eine obdachlose Frau in Midland, Texas. Auf EU-Ebene fordert die ungarische Politikwissenschafterin Mariann Dósa, dass obdachlose Frauen im Parlament vertreten werden.
    foto: ap/betsy blaney

    Eine obdachlose Frau in Midland, Texas. Auf EU-Ebene fordert die ungarische Politikwissenschafterin Mariann Dósa, dass obdachlose Frauen im Parlament vertreten werden.

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