Gleichstellungskommission: Fortschritt in Zeitlupe

15. April 2014, 11:46
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Aktueller EU-Bericht zeigt kleine Fortschritte auf – Bleibt das Tempo allerdings gleich, sind Gleichstellungsziele erst in Jahrzehnten erreicht  

Auch im Jahr 2013 strengte die Europäische Kommission Gleichstellungsmaßnahmen an. Zwar verzeichnet der am Montag veröffentlichte jährliche Gleichstellungsbericht der Kommission zur Geschlechtergleichstellung  kleine Fortschritte. Würden sich diese aber in dem bisherigen Tempo fortsetzen, hätte man noch die nächsten 70 Jahre mit Benachteiligung aufgrund des Geschlechts zu kämpfen.

So wäre das EU-Ziel einer Frauenbeschäftigungsquote von 75 Prozent mit gleichbleibendem Fortschrittstempo erst in 30 Jahren erreicht, eine ausgewogene Besetzung der Parlamente (mindestens 40 Prozent pro Geschlecht) in 20 Jahren, und für die Schließung der Lohnschere müssten sogar noch 70 Jahre Geduld aufgebracht werden.

Lohngefälle konstant

Wenn auch langsam, so kann die Europäische Kommission dennoch von zunehmender Gleichstellung zwischen Männern und Frauen berichten. Die deutlichsten Erfolge zeigen sich für jene Frauen, die Chancen auf einen Spitzenjob oder Aufsichtsratsposten haben. Seit 2010 erhöhte sich der Frauenanteil in Aufsichtsräten von elf Prozent auf 17,8 Prozent im Jahr 2014. Die Kommission führt dies auch auf die Ankündigung möglicher gesetzlicher Maßnahmen im Oktober 2010 zurück. Geringer angestiegen ist die allgemeine Beschäftigungsquote von Frauen: Sie ist seit 2002 von 58 Prozent auf 63 Prozent gestiegen.

Das Lohngefälle zwischen Männern und Frauen, das EU-weit bei 16,4 Prozent liegt  (in Österreich liegt es bei 23,4 Prozent), stagniert hingegen. Rund um den diesjährigen Frauentag wurde von der Europäischen Kommission eine Empfehlung angenommen, die die Mitgliedsstaaten zu mehr Lohntransparenz aufruft.

Verbesserungen im Kampf gegen geschlechtsspezifische Gewalt an Frauen und Mädchen kann der Gleichstellungsbericht nicht beziffern. Stattdessen verweist der Bericht auf die Kofinanzierung von nationalen Kampagnen (3,7 Millionen Euro) und durchgeführten Projekten (11,4 Millionen) gegen Gewalt.  

26 versus neun Stunden Pflege- und Hausarbeit

Handlungsbedarf sieht die Kommission auch bei der Haus- und Familienarbeit: Während Frauen im Durchschnitt 26 Stunden pro Woche mit Pflegetätigkeiten und Hausarbeit verbringen, sind es bei Männer nur neun Stunden. Große Probleme im Bereich Gewalt gegen Frauen hat auch eine kürzlich präsentierte EU-weite Umfrage aufgezeigt: Interviews mit 42.000 Frauen zeigten, dass eine von drei Frauen ab einem Alter von 15 Jahren von physischer oder sexueller Gewalt betroffen ist. (red, dieStandard.at, 15.4.2014)

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