Ungewisse Zukunft für Kenias Homosexuelle

10. April 2014, 11:19
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Kenia galt verfolgten Homosexuellen aus anderen afrikanischen Staaten lange als halbwegs liberaler Zufluchtsort - Stimmungswandel in der Politik 

Nairobi - Sich zu seiner Homosexualität zu bekennen, erfordert selbst in Kenia noch immer jede Menge Mut. Zwar ist es den Lesben und Schwulen im Land gelungen, sich einen gewissen Grad an Akzeptanz zu erstreiten, ihre sexuelle Orientierung ist laut Gesetz aber illegal. Was nach mittelalterlichen Verhältnissen klingt, nimmt sich angesichts der zunehmenden Homosexuellenfeindlichkeit in Afrika aber noch relativ harmlos aus.  

So können Homosexuelle in Kenia kleine Demonstrationen abhalten, bei denen sie für gleiche Rechte streiten. Die Szene hat zudem eigene Filmfestivals hervorgebracht. Online-Netzwerke eröffnen seit geraumer Zeit diskrete Möglichkeiten, andere Männer zu treffen.

Im vergangenen Jahr kandidierte David Kuria Mbote als erster offen homosexuell lebender Kenianer für ein öffentliches Amt. Und als der gefeierte Autor Binyavanga Wainaina im Jänner in einem innigen Text seine Homosexualität offenbarte, da erhielt er von vielen Landsleuten Zustimmung.

Verbesserte Gesundheitsversorgung

Homosexuelle Aktivisten haben durch ihr Engagement dazu beigetragen, dass sich auch die Gesundheitsversorgung verbessert hat. So lässt der nationale Aids-Rat des Landes Homosexuellen gezielt Behandlungs- oder Präventionsmaßnahmen zukommen.

Während etwa Gleitmittel in anderen afrikanischen Ländern eingeschmuggelt würden, seien diese genau wie Kondome in Kenia problemlos zu bekommen, sagt Kevin Mwachiro von der Organisation Hivos. 

Seit der ugandische Präsident Yoweri Museveni im Februar ein Gesetz mit teils drakonischen Haftstrafen für Schwule und Lesben verabschiedet hat, ist Kenia zudem Zufluchtsort für Flüchtlinge aus dem Nachbarland geworden. Dutzende sind wegen der gewalttätigen Ausschreitungen in Uganda, die einer Hexenjagd in Zeiten der Inquisition gleichen, nach Kenia gekommen. 

Angriffe auf Homosexuelle

Derweil halten es die dortigen Schwulen, Lesben und Transgender nicht für ausgeschlossen, dass es auch in ihrem Land zu einem Rückfall kommen könnte. "Es gibt die Angst, dass es hier wie in Uganda laufen könnte", sagt Anthony Oluch von der AktivistInnengruppe Kaleidoscope Trust.

So gebe es dafür bereits erste Anzeichen, sagt er. Seit Museveni das gegen Homosexuelle gerichtete Gesetz unterzeichnet habe, seien mindestens zwölf KenianerInnen aufgrund ihrer sexuellen Orientierung angegriffen worden, hat Oluch festgestellt.

So sei eine junge Frau an einer Bushaltestelle so schwer zusammengeschlagen worden, dass sie ins Krankenhaus gebracht werden musste. Seitdem würde sie sich verstecken. Mindestens 26 KenianerInnen hätten ihre Häuser aus ähnlichen Gründen verlassen müssen.

Nach der Unterzeichnung des ugandischen Gesetzes bildeten einige kenianische Abgeordnete einen homosexuellenfeindlichen Ausschuss und verlangten die polizeiliche Durchsetzung des Verbots von Homosexualität, das bisher weitgehend ignoriert wurde.

Zugleich verlangten die PolitikerInnen härtere Strafen für Schwule und Lesben. Erst kürzlich verglich der parlamentarische Mehrheitsführer Aden Duale Homosexualität mit Terrorismus.

AktivistInnen warnen vor internationaler Reaktion

Doch die AktivistInnen im Land warnen derzeit eher vor einer harschen internationalen Reaktion so wie im Falle Ugandas. Eine solche Antwort könnte sich eher kontraproduktiv für die Homosexuellen im Land auswirken, mutmaßen die AktivistInnen.

"Wir wollen hier nicht Alarm schlagen", sagt Oluch. Die Kenianer hätten eine "Leben-und-leben-lassen-Haltung", was die Situation im Vergleich zu den Nachbarländern etwas erträglicher mache. Gleichwohl räumt Oluch ein, die Zukunft bleibe ungewiss. (APA, 10.4.2014)

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