Frauen verdienen in Vorarlberg um 28 Prozent weniger

8. April 2014, 17:10
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Vorarlberg hat die größten Einkommensunterschiede in Österreich - 85 Prozent aller Teilzeitbeschäftigten sind Frauen

Bregenz - Von einer Gleichstellung sind Frauen in Vorarlberg weit entfernt. Das westlichste Bundesland ist jenes mit den größten Einkommensunterschieden zwischen Frauen und Männern. Frauen übernehmen zwei Drittel der unbezahlten Arbeit und stellen 85 Prozent aller Teilzeitbeschäftigten. Dies geht aus dem ersten Vorarlberger Gleichstellungsbericht hervor, der am Dienstag veröffentlicht wurde.

Das mittlere Jahreseinkommen der ganzjährig vollbeschäftigten Arbeitnehmerinnen liege um 28 Prozent unter jenem der Männer. Die realen Einkommensunterschiede seien sogar noch höher, weil nur ein Teil der Frauen während des gesamten Jahres ganztags arbeitet, hieß es in der Zusammenfassung des Berichts, der von der Vorarlberger Arbeiterkammer, dem ÖGB Vorarlberg und dem Land herausgegeben wurde. Tatsächlich würden sie bei den mittleren Brutto-Jahreseinkommen 51,9 Prozent betragen. Dies sei nur zu einem Teil auf den Umstand zurückzuführen, dass Männer in Vorarlberg im Vergleich zu allen Bundesländern die höchsten Gehälter beziehen.

Bildungsniveau angeglichen

Laut der letzten Zeitverwendungserhebung der Statistik Austria übernehmen Vorarlbergerinnen noch immer zwei Drittel der anfallenden Hausarbeit und achtzig Prozent der familiären Pflege von Angehörigen. Vorarlberger Männer hingegen leisten 61 Prozent der bezahlten Arbeit. Obwohl sich das Bildungsniveau dem der Männer angeglichen hat, sind 85 Prozent aller Teilzeitbeschäftigten Frauen. Anders gesagt: Die Hälfte (50,5 Prozent) der erwerbstätigen Frauen Vorarlbergs arbeitet Teilzeit, aber nur 7,1 Prozent der Männer. Dieser Anteil hat sich laut Gleichstellungsbericht in den vergangenen zwanzig Jahren mehr als verdoppelt.

Weniger oft Lehrer, öfter Direktor

Positiv entwickelt habe sich in den vergangenen Jahren die Erwerbstätigenquote der Vorarlbergerinnen. Mit 68,5 Prozent liege sie ein wenig über dem Bundesdurchschnitt (67,3 Prozent). Zum Vergleich: Männer arbeiten in Vorarlberg zu 80,7 Prozent in einem Erwerbsberuf. Deutlich seltener als Männer finden sich Frauen in Vorarlberg aber in Leitungsfunktionen. Als Beispiel nannte der Bericht die Vorarlberger Schulen. Dort stellten Männer nur knapp ein Drittel der LehrerInnen, aber mehr als die Hälfte der Direktoren.

Branchenweite Einführung eines Mindestlohns

Kritik äußerten die Oppositionsparteien und der ÖGB. Die grüne Frauensprecherin Katharina Wiesflecker sah in den Ergebnissen des Berichtes die Bestätigung, dass "nach wie vor viel zu tun" sei. Wiesflecker forderte Modelle wie das deutsche Familienarbeitszeitmodell 80/80 zu diskutieren und dafür Anreize schaffen. SPÖ-Frauensprecherin Olga Pircher sah ein großes Problem in den Öffnungszeiten der Kinderbetreuungseinrichtungen, die Frauen stark einschränkten. Unter anderem die branchenweite Einführung eines Mindestlohns bei Vollzeitbeschäftigung von 1.500 Euro, betriebliche Frauenförderung als Kriterium für öffentliche Ausschreibungen und eine verbesserte Anrechnung der Kindererziehungszeiten für die Pension forderte ÖGB-Landesgeschäftsführerin Manuela Auer. (APA, 8.4.2014)

  • In Österreich ist in Vorarlberg die Differenz zwischen den Lohnkontos von Männern und Frauen am größten.  
    foto: apa / helmut fohringer

    In Österreich ist in Vorarlberg die Differenz zwischen den Lohnkontos von Männern und Frauen am größten.  

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