ZDF präsentiert homophoben Autor

3. April 2014, 12:16
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Moderatorin Susanne Conrad hatte für die kruden Stammtisch-Thesen des Autors Akif Pirinçci nur ein Lächeln parat - Zitrone für beide

Mainz - Die harsche Kritik des Online-Magazins queer.de hat das "Mittagsmagazin" des ZDF auf sich gezogen. Dort war Mittwoch der Autor Akif Pirinçci zu Gast. Der schreibt in seinem Buch "Deutschland von Sinnen. Der irre Kult um Frauen, Homosexuelle und Zuwanderer" auf intellektuell dermaßen fragwürdigem Niveau, dass der "Süddeutschen Zeitung" dazu nur noch einfiel: er "spuckt, beleidigt und boxt sich seinen Weg durch die deutsche Gegenwart". Wenige Tage nach der Veröffentlichung stand das Buch bei Amazon auf Platz 1 der politischen Bücher.  

Schwulen Männern ruft der Autor darin zu: "Mach dein eigenes Ding, aber belästige uns nicht mit deiner Schwulheit. Danke!" Und in einem "Brief an die deutsche Lesbe" heißt es: "Du denkst, du hast jetzt Oberwasser, weil die irre gewordene Ganovenbande aus unserer Politkaste deinen lesbischen Männerhass mit Steuermilliarden in Paragraphen gießt und unsere Bildungseinrichtungen damit vergiftet, und weil die Hirnamputierten von den Mainstream-Medien so tun, als wäre das ein zivilisatorischer Fortschritt."

Überhaupt hat er von lesbischen Frauen eine sehr pauschale (um nicht zu sagen: machistoide) Meinung: die sähen nämliche aus "wie ein komischer Mann oder wie eine vermännlichte komische Frau". Die Meinung des Autors zu Migration ist, gelinde gesagt, eher reaktionär.

Sarrazin als Weichei

Nun ist die "Mittagsmagazin"-Moderatorin Susanne Conrad diesem Stammtisch-Geplärr nicht mit kritischen, fundierten Fragen und Gegenargumenten begegnet. Vielmehr saß sie dem Mann beinahe hilflos gegenüber.

Seine Homophobie ließ sie unkommentiert, statt dessen sprach sie von "interessanten Thesen", nickte lächelnd und ließ ihm sogar das fragwürdige Lob angedeihen, dass Chef-Krawallmacher Thilo Sarrazin neben ihm wie ein "Weichei" wirke.

Zumindest im Nachhinein dürfte man beim ZDF eingesehen haben, dass das nicht eben der Königsweg im Umgang mit potentiellen Volksverhetzern ist. Zuerst fehlte der Sendungsmitschnitt in der Mediathek komplett, nach Kritik (von rechten Medien, die Zensur witterten) wurde eine gekürzte Fassung online gestellt. Dass der Autor die Grünen dort als "Kindersexpartei" bezeichnet, fehlt darin. (Andrea Heinz, dieStandard.at, 3.4.2014)

  • aktuellaktuell

    Susanne Conrad würdigt die "interessanten Thesen" des homphoben Autors Akif Pirinçci im ZDF-"Mittagsmagazin"

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