Frauenordens-Chefin will Männer bei Abtreibung in die Pflicht nehmen

31. März 2014, 10:21
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Beatrix Mayrhofer fordert "intensive Kampagne" über Abtreibung und spricht sich gegen ein Prostitutionsverbot aus

Wien - Geht es nach der Vorsitzenden der Frauenorden in Österreich, Beatrix Mayrhofer, sollten Männer bei Abtreibungen stärker in die Pflicht genommen werden. "Ich fordere eine intensive Kampagne, um den Männern ins Bewusstsein zu bringen, was das eigentlich bedeutet", sagt sie im Interview mit der APA. Die Sterbehilfe in den Verfassungsrang zu heben ist für sie nicht von höchster Bedeutung.

In Situation "hineintreiben"

Die von der "aktion leben" eingeleitete parlamentarische Bürgerinitiative für eine Abtreibungsstatistik unterstützt Mayrhofer: "Ich finde es unerträglich, dass es noch immer keine Zahlen gibt. Da fürchtet man einfach die Ergebnisse, das finde ich politisch feige." Mit der in Österreich herrschenden Rechtslage hat sich die Vorsitzende der Frauen arrangiert. "Die Fristenlösung tut weh. Ich kann nicht damit leben, ich muss damit leben", sagt sie.

Vor allem die Männer würden sich bei einem Schwangerschaftsabbruch "viel zu schnell aus der Verantwortung ziehen", findet Mayrhofer. Dafür benötige es eine bessere rechtliche Absicherung der Frauen. Männliche Partner würden die Frauen oft erst in eine solche Situation "hineintreiben".  

Prostitutionsverbot nicht zielführend

Erst jüngst, beim Ad-limina-Besuch der Bischöfe in Rom, haben die Frauenorden Anerkennung durch Papst Franziskus für ihr Engagement gegen Frauenhandel in Österreich erhalten. Ein Prostitutionsverbot hält Mayrhofer allerdings nicht für zielführend. Die Szene würde dadurch verdrängt, Kontrollen schwieriger. "Es ist schwierig, einen vernünftigen Weg zu finden", meint sie.

Ein Ansatz im Kampf gegen den Frauenhandel müsse es sein, AsylwerberInnen den vollen Zugang zum Arbeitsmarkt zu ermöglichen. AntragstellerInnen stünden zum Zeitpunkt des Verfahrens nur drei legale Bereiche für eine Beschäftigung offen: Als ErntehelferIn, in der Gastronomie und eben Prostitution. Auch schnellere Verfahren fordert Mayrhofer, die sich etwa für die Flüchtlinge in der Votivkirche stark gemacht hat. Dass Pakistan laut Innenministerium als "sicher" gilt, ist für sie nicht verständlich.

Mit Kurs von Papst Franziskus zufrieden

In Österreich verloren die Frauenorden im vergangenen Jahr 177 Mitglieder, drei Viertel der Schwestern ist älter als 65 Jahre. Mayrhofer sieht diese Entwicklung aber "in gesunder Weise gelassen": Einerseits habe es zu Kriegszeiten einen großen Zulauf gegeben, andererseits würde sich auch in diesem Lebensbereich die generelle Überalterung der Gesellschaft manifestieren. 

Mit dem generellen Kurs der römisch-katholischen Kirche unter Papst Franziskus zeigt sich Mayrhofer zufrieden. Und auch in die Strukturreform der Erzdiözese Wien findet sie die Gemeinschaften gut eingebunden. Und selbst in der Diskussion über die Priesterweihe für Frauen ist ihre Haltung differenziert: "Ich setze mich nicht aktiv dafür ein. Ich möchte mich in den Bereichen einsetzen, wo ich Veränderungsmöglichkeiten sehe." Denn: "Es ist schön, Ordensfrau zu sein, und das ist mir das Wichtigste." (APA/red, 31.3.2014)

  • In Österreich verloren die Frauenorden im vergangenen Jahr 177 Mitglieder, drei Viertel der Schwestern ist älter als 65 Jahre.
    foto: apa/herbert neubauer

    In Österreich verloren die Frauenorden im vergangenen Jahr 177 Mitglieder, drei Viertel der Schwestern ist älter als 65 Jahre.

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