Genderunterschiede in der medizinischen Praxis unterschätzt

28. März 2014, 13:17
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Frauen oder Männer in bestimmten Fällen mit schlechteren Behandlungsergebnissen - Oft wegen fehlender Beachtung des Geschlechts

Wien - "Frauen haben in der Nephrologie, Urologie oder Kardiologie oft schlechtere Behandlungsergebnisse als Männer und werden teilweise falsch oder nicht Leitlinien konform behandelt, bei Männern Osteoporose oder Depressionen häufig nicht erkannt", so Alexandra Kautzky-Willer, Obfrau der Österreichischen Gesellschaft für geschlechtsspezifische Medizin (ÖGGSM) am Freitag in einer Aussendung.

"Geschlechtsspezifische Charakteristika im Lebenszyklus" lautete das Motto der 7. Jahrestagung der Österreichischen Gesellschaft für geschlechtsspezifische Medizin, um endlich bessere Standards in der Gesundheitsversorgung beider Geschlechter über Generationen zu schaffen.

Kardiometabolisches Risiko unterschätzt

Das Symposium beleuchtete genderspezifische Aspekte in allen Lebenszyklen: von Jugendlichen bis zu Hochbetagten. Die Fakten sprächen für sich, hieß es in der Aussendung: So wird bei Frauen das kardiometabolische Risiko unterschätzt, die erhöhte Anfälligkeit auf Medikamentennebenwirkungen werden oft nicht berücksichtigt oder die genderrelevanten Unterschiede bei Stoffwechselerkrankungen noch immer nicht in der medizinischen Praxis umgesetzt.

Bei Männern wiederum bleiben Depressionen und Osteoporose häufig unerkannt, Männer seien noch immer "Vorsorgemuffel": Von den 140.793 Vorsorgeuntersuchungen bei AllgemeinmedizinerInnen im Jahr 2012 wurden nur 62.198 von Männern in Anspruch genommen.

Weniger gesunde Lebensjahre

"Leider profitieren noch immer wenig Menschen von einer optimalen, das heißt geschlechtsgerechten Medizin", so Alexandra Kautzky-Willer. Wie vulnerable Lebensphasen Männer und Frauen auf verschiedene Weise prägen, zeige die Tatsache, dass die Lebenserwartung der Frauen in Österreich zwar um fünf Jahre höher ist als jene von Männern, Frauen aber anteilsmäßig weniger gesunde Lebensjahre verbringen als Männer.

"Frauen und Männer haben unterschiedliche Stärken und Schwachpunkte. Daher spielt Gender Medicine nicht nur in der Urologie und Gynäkologie, sondern für viele andere Disziplinen und vor allem für die Allgemeinmediziner eine wichtige Rolle", unterstützte der Wiener Ärztekammerpräsident Thomas Szekeres die Forderungen der Fachgesellschaft. (APA, 28.4.2014)

  • "Gender Medicine spielt nicht nur in der Urologie und Gynäkologie eine Rolle", so Ärztekammerpräsident Thomas Szekeres. 
    foto: apa/friso gentsch

    "Gender Medicine spielt nicht nur in der Urologie und Gynäkologie eine Rolle", so Ärztekammerpräsident Thomas Szekeres. 

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