Iraker streiten um Gesetzentwurf: Neunjährige Mädchen sollen heiraten

14. März 2014, 18:21
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Human Rights Watch forderte die Regierung auf, den Gesetzentwurf zurückzuziehen 

Bagdad - Dutzende von streng religiösen Frauen haben am Freitag in der irakischen Stadt Al-Nasirija für ein neues Familienstandsgesetz demonstriert, das die Verheiratung von neunjährigen Mädchen erlauben würde. Unter den Demonstrantinnen war Shaima Abdel Sattar, eine Parlamentsabgeordnete der schiitischen Al-Fadhila-Partei.

Sie sagte der Nachrichtenagentur Sumeria News: "Wir sind heute auf die Straße gegangen, um zu zeigen, dass die Frauen, die in den vergangenen Tagen gegen diesen Gesetzentwurf protestiert hatten, nicht im Namen aller irakischen Frauen sprechen."

Mindestalter: Neun Jahre

Die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch (HRW) hatte die irakische Regierung aufgefordert, den Gesetzentwurf, der noch vom Parlament gebilligt werden muss, zurückzuziehen. Das Gesetz, das sich auf die jafaritische Rechtsschule beruft, legt das Mindestheiratsalter für schiitische Mädchen auf neun Jahre fest.

Zahlreiche Protestaktionen

Bisher durften irakische Mädchen - unabhängig von ihrer Religionszugehörigkeit - in "dringenden Fällen" mit 15 Jahren heiraten. Das neue Gesetz würde außerdem Vergewaltigung in der Ehe legalisieren. Frauen müssten ihren Mann um Erlaubnis fragen, bevor sie das Haus verlassen. In Bagdad hatte es in den vergangenen zwei Wochen zahlreiche Protestaktionen gegen das Gesetz gegeben, an denen auch Schiiten teilgenommen hatten. (APA, 14.3.2014)

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    In den vergangenen Tagen wurde gegen das neue Familienstandsgesetz demonstriert. Am Freitag fanden Demonstrationen für das Gesetz statt. 

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