So macht man sich aus dem Staub

22. April 2005, 15:36
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Saison für Partikelemissionen ist noch nicht vorbei - Grenzwerte für das ganze Jahr aber sind vielfach schon überschritten - mit Grafik

Die Saison für Partikelemissionen - die unter anderem aus Heizungen und vom Streusplitt auf den Straßen kommen - ist noch nicht vorbei, die Grenzwerte für das ganze Jahr aber sind vielfach schon überschritten.

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Wer regiert, wer Autos produziert oder auch nur Autos fährt, will mit dem Feinstaub, der im Motor, an den Bremsen und an den Reifen entsteht, nichts zu tun haben. "Ich finde, dass wir hier uns wirklich wieder ein Thema erkoren haben, dass geradezu - aus meinem Verständnis - hysterische Ausmaße annimmt", sagte am Donnerstag der deutsche Wirtschaftsminister Wolfgang Clement.

Was der deutsche Sozialdemokrat über die derzeit im ganzen deutschen Sprachraum diskutierte Luftbelastung sagt, käme einem oppositionellen österreichischen Sozialdemokraten derzeit nicht über die Lippen. Vertreter der österreichischen Koalition dagegen sagen dasselbe fast wortgleich. Und wenn die regierenden Politiker vor "Panikmache" warnen, klingt das wiederum genauso wie die Sprüche der Autofahrerclubs: "Wenn das ausartet in Diskussionen über Sonntagsfahrverbote und Ähnlichem, dann kann ich nur sagen: Haltet ein. Das ist wirklich neben der Kappe."

War das vom ÖAMTC? Nein, das war noch einmal Clement. Der ÖAMTC-Sprecher Mario Rohracher sagte: "Anti-Auto-Aktionismus, wie autofreie Tage oder willkürliche Verkehrsbeschränkungen sind nicht zielführend."

85 Prozent der Benzinautos haben Katalysator

Tatsache ist: Selbst wenn alle neuen Fahrzeuge mit Dieselfiltern ausgestattet würden, würde sich die Situation keineswegs von heute auf morgen verändern - erstens ist der Feinstaub aus Dieselmotoren eben nur ein Teil des Problems, zweitens dauert es Jahrzehnte, bis alle Fahrzeuge umgestellt sind. Robert Thaler, der für Verkehrsfragen zuständige Abteilungsleiter im Umweltministerium rechnet vor, dass auf österreichischen Straßen 18 Jahre nach Einführung des Katalysators immer noch erst 85 Prozent der Benzinautos einen Katalysator haben. Sechs Prozent der mit allen Pkw gefahrenen Kilometer werden noch heute von Benzinern ohne Kat zurückgelegt.

Tatsache ist aber auch, dass Verkehrsmaßnahmen wie Tempolimits und zeitliche Verkehrsbeschränkungen zu den wenigen Handlungsmöglichkeiten gehören, die raschen Erfolg bei akuter Staubbelastung bringen. Und dass die Staubimmissionen in diesem Jahr höher als erlaubt (aber noch nicht höher als im Vergleichszeitraum 2003 sind), ist unbestritten.

Grenzwert 31 mal überschritten

Für die so genannten P10-Immissionen (also gemessene Partikel, die maximal 10 Mikrometer groß sind) ist der Grenzwert von 50 Mikrogramm pro Kubikmeter in Linz-Römerberg bereits 31 mal überschritten worden, hat der zuständige Landesrat Rudi Anschober am Donnerstag bekannt gegeben. In Graz gab es sogar 54, in Innsbruck 41 solche Überschreitungen.

Dabei stellt der lokal produzierte Schadstoffanteil in der Umgebung der meisten Messstellen nur einen oft bescheidenen Prozentsatz dar: Für Wien hat die MA22 ausgerechnet, dass 16 Prozent der gemessenen Partikel aus Serbien und Rumänien kommen, wobei etwa die Hälfte als so genannte "Vorläufersubstanz" (Sulfat und Nitrit, das erst später in Staubpartikel umgewandelt wird) Wien erreicht.

Nur ein Viertel der Belastung kommt aus Wien. Andererseits: Hier kann man leichter ansetzen als in Serbien oder Rumänien. (Conrad Seidl, DER STANDARD - Printausgabe, 1. April 2005)

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    foto: der standard
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