Gegen Ex-Libro Chef Andre Rettberg liegen vier Anklagepunkte vor

6. April 2005, 17:07
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Laut Anklage sei aber kein Schaden durch Rettberg nachweisbar - Die Maximalstrafe liegt bei ein bis zwei Jahren Haft

Wien – Die Staatsanwaltschaft hat im Verfahren gegen den ehemaligen Chef der Buch- und Papierhandelskette Libro, Andre Rettberg, in vier Punkten Anklagen erhoben. Das berichtet das Nachrichtenmagazin "Format" in seiner neuen Ausgabe.

Der Hauptanklagepunkt ist laut Bericht die Verheimlichung einer Firmenbeteiligung an der VCH-Gruppe im Wert von 4,4 Mio. Euro. Zweitens soll sich Rettberg irreführend als vermögenslos dargestellt haben, indem er behauptete, Zahlungen, welche die zur VCH-Gruppe gehörende Firma Esposa an seine Gläubiger geleistet hat, als Werkvertragsnehmer der Esposa abarbeiten zu müssen. Drittens soll Rettberg fälschlich erklärt haben, dass seitens der Bank Austria Pfandrechte auf seinem Privathaus bestünden. Und viertens und letztens soll Rettberg ein Wertpapierdepot bei der Creditanstalt im Wert von 14.000 Euro auf den Namen seiner Mutter überschrieben haben.

Vorwurf der "betrügerischen Krida"

Hintergrund ist ein Kredit in etwa diesem Ausmaß, den Rettberg über seine Privatstiftung 1999 zum Erwerb von Libro-Anteilen aufgenommen hatte. Nach der Libro-Pleite hatten die Banken Rettberg einen Teil der Kredite erlassen, weil die Aktien praktisch wertlos waren. Ermittlungen im Anschluss hatten jedoch ergeben, dass Rettberg die 4,4 Mio. Euro aus früheren Aktien-Verkäufen über die VCH-Beteiligung verschoben haben soll.

Die Staatsanwaltschaft wirft Rettberg in diesem Zusammenhang "betrügerische Krida" vor, einen durch Rettberg entstandenen Schaden konnte die Anklage laut "Format" aber im Zusammenhang mit der VCH-Causa nicht nachweisen. Rettberg selbst, für den die Unschuldsvermutung gilt, beteuert, keinen Zugriff auf die Gelder gehabt zu haben.

In der 334 Mio. Euro schweren Libro-Pleite selbst laufen die Erhebungen noch. Der Wirtschaftsprüfer Martin Geyer erstellt laut Zeitungsberichten derzeit im Auftrag des Gerichts ein Gutachten, das sich um die Frage dreht: Wurden die Anleger beim Libro-Börsegang über die finanziellen Verhältnisse des Konzerns falsch oder ungenügend informiert? Das Gutachten wird nach Meinung von Rettbergs Anwalt im Frühsommer fertig sein. (APA)

  • Gegen den Ex-Libro-Chef Andre Rettberg gibt es vier Anklagepunkte

    Gegen den Ex-Libro-Chef Andre Rettberg gibt es vier Anklagepunkte

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