Gewerbe will 24.000 neue Beschäftigte einstellen

27. April 2005, 14:27
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Stimmung im Handwerk und Gewerbe steigt - Aber deutlicher Rückgang bei öffentlichen Aufträgen

Wien - Österreichs Handwerk und Gewerbe wird seiner Rolle als Jobmotor auch heuer gerecht. Im laufenden Jahr sei mit 20.000 bis 24.000 zusätzlichen Beschäftigten zu rechnen, so der Direktor der KMU Forschung Austria, Walter Bornett, am Donnerstag bei der Präsentation des Handwerks- und Gewerbe-Konjunkturberichtes 2004/2005. Derzeit sind in 65.000 Handwerks- und Gewerbebetrieben 586.000 Mitarbeiter beschäftigt.

Gewerbe statt Industrie

Bereits in den vergangenen 20 Jahren sei der Personalstand im heimischen Gewerbe kontinuierlich von rund 400.000 auf derzeit rund 600.000 gewachsen, im selben Ausmaß sei die Beschäftigung in der Industrie zurückgegangen, so der Obmann der Bundessparte Gewerbe und Handwerk, Georg Toifl. Jede Neugründung schaffe zwischen 1,5 und 1,8 zusätzliche Arbeitsplätze.

Das 1. Quartal 2005 zeige eine anhaltend positive Entwicklung bei den Gewerbebetrieben, so Gewerbeforscher Bornett. Das Stimmungsbarometer lag um 8 Prozentpunkte über dem Vorjahresquartal, die Beschäftigung legte um 1,2 Prozent zu. Damit habe sich die positive Entwicklung des Vorjahres heuer fortgesetzt. In den investitionsgüternahen Branchen ist der durchschnittliche Auftragsbestand im Jahresvergleich um 3,7 Prozent gestiegen.

Private konsumieren mehr

Ausschlaggebend dafür war die positive private Nachfrage, die um 7 Prozent zulegte, während die öffentlichen Aufträge mit einem Minus von 15,5 Prozent ausblieben. Die öffentliche Nachfrage war in allen Bundesländern rückläufig, am stärksten betroffen war Salzburg, wo sich die Nachfrage halbiert hat. Mit einem Rückgang um knapp 5 Prozent schnitt Vorarlberg am besten ab.

Etwas gebessert hat sich die Situation im konsumnahen Bereich, allerdings meldeten immer noch mehr Unternehmen Umsatzrückgänge als Zuwächse. Der Anteil der Betriebe mit Umsatzrückgängen ging im Jahresvergleich von 30 auf 27 Prozent zurück. Im Bundesschnitt wuchsen die Umsätze im konsumnahen Bereich im 1. Quartal 2005 um knapp 3 Prozent.

Für das 2. Quartal ist das heimische Gewerbe zuversichtlich. 23 Prozent der Betriebe erwarten eine positive Entwicklung. 78 Prozent der Unternehmen wollen den Personalstand in den nächsten Monaten beibehalten, 16 Prozent beabsichtigen, zusätzliche Mitarbeiter einzustellen.

Konkurrenz durch Dienstleistungsrichtlinie

Durch die geplante EU-Dienstleistungsrichtlinie erwartet sich Toifl härtere Konkurrenz. Allerdings finden auch in den neuen EU-Ländern Anpassungsprozesse statt. Treffen werde es jene rund 20 Prozent der Betriebe, die bereits derzeit am Limit arbeiten: "Für die wird es schwierig werden." 10 bis 15 Prozent der Unternehmen, die im High-tech-Segment arbeiten, werden überhaupt nicht betroffen sein. Insgesamt sei aber mit mehr Insolvenzen zu rechnen.

Im abgelaufen Geschäftsjahr 2004 legte der Gewerbeumsatz laut KMU Forschung Austria um nominell 1 Prozent auf 46,2 Mrd. Euro zu. Auf Grund des starken Wettbewerbs konnten die Kostensteigerungen allerdings nicht auf die Kunden übergewälzt werden, so dass von einer Verschlechterung der Ertragskraft auszugehen sei. (APA)

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