Homöopathische Arzneimittel auf der verbotenen Liste

10. April 2005, 08:00
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Der 10. April ist der "Tag der Homöopathie" - Homöopathie bisher nicht als wissenschaftliche medizinische Methode anerkannt

Wien - Am 10. April 1755 - also vor 250 Jahren - wurde in Meißen Samuel Hahnemann, der Begründer der Homöopathie, geboren. Dieser runde "Geburtstag" wird am 10. April als "Tag der Homöopathie" begangen. Bei einer Pressekonferenz am Donnerstag in Wien wurde die Benachteiligung dieser Form der Heilkunde beklagt.

"Seit Anfang des Jahres sind homöopathische Arzneimittel auf der verbotenen Liste ("No-Box", Anm.). Früher haben sich Chefärzte verständnisvoll gezeigt. Seit 1. Jänner ist das verboten", sagte Martin Peithner als Vertreter des gleichnamigen Herstellers. Trotz lobender Worte von Gesundheitsministerin Maria Rauch-Kallath (V) für die Homöopathie ("aufgrund langjähriger persönlicher Erfahrungen") in einer Stellungnahme zu dem Gedenktag können somit Homöopathika offenbar nur noch in extremen Einzelfällen von den Chefärzten genehmigt werden.

Problem

Das Problem ist weniger der Preis der Arzneimittel selbst, der sich laut der Apothekerkammer-Vizpräsidentin Mag. Dr. Christiane Körner zumeist um die Rezeptgebühr bewegt. Peithner: "Man schließt 70 Prozent der Bevölkerung von der Homöopathie aus, weil die homöopathische ärztliche Behandlung nicht bezahlt wird. (...) Im Hauptverband der Sozialversicherungsträger gibt es eine Truppe von Stahlhelmen, die einen Glaubenskrieg kämpft."

Der Oberste Sanitätsrat hat die Homöopathie bisher nicht als wissenschaftliche medizinische Methode anerkannt. Immer wieder gibt es Publikationen in Top-Medizin-Fachzeitschriften, doch sie sind selten und können sich jeweils nur mit einem sehr engen Bereich beschäftigen.

Univ.-Doz. Dr. Max Haidvogl, jahrelang Leiter des Ludwig Boltzmann-Instituts in Graz, machte auf prinzipielle Unterschiede im Wissenschaftszugang zwischen Pharma-Industrie und Homöopathie aufmerksam: Die herkömmliche Pharmaforschung sei marktorientiert. Die Homöopathie müsse hingegen immer aufs Neue beweisen, dass sie wirkt.

Untersuchungen

Dabei sprechen von Placebo-Effekten nicht "angekränkelte" veterinärmedizinische Untersuchungen offenbar ebenfalls für eine Wirkung der Lehre von Hahnemann. Haidvogl: "Es gibt einige schöne Studien, eine davon mit rund 1.400 Ferkeln. Sie wurden prophylaktisch mit herkömmlichen Antibiotika oder prophylaktisch mit einem homöopathischen Komplexmittel behandelt. Es zeigte sich, dass die homöopathische (Infektions-)Prophylaxe besser war als die antibiotische." In der Veterinärmedizin existiert ein eigener Facharzt für Homöopathie. Bei Zuchttieren ist die Anwendung der Homöopathie in geeigneten Anwendungsgebieten billiger und leichter Durchführbar (keine Quarantänefristen, Anm.).

Laut einer repräsentativen Fessel-GfK-Umfrage vom November 2003 kennen 97 Prozent der Österreicher den Begriff der Homöopathie. 72 Prozent bezeichnen sie als "gut wirksam", 83 Prozent erklären, dass diese Heilkunst wenig Nebenwirkungen aufweise.

Gespräche

Sondierungsgespräche über die Bezahlung der Homöopathie durch die Krankenkassen kamen laut dem Referenten für Komplementärmedizin der Österreichischen Ärztekammer, Dr. Klaus P. Connert, zu keinem Ende. Das lag laut seinen Worten daran, dass man verhindern wollte, dass die Homöopathie auf Kassenkosten durch Billigsttarife ruiniert werde. Dem Eindruck, dass dadurch auch die sonstige Medizin auf Kassenkosten den Anruch der Billigstmedizin bekommen könnte, widersprach der Arzt und Standesvertreter.

Im Jahr 2004 wurden in Österreich homöopathische Arzneimittel im Wert von 40,5 Millionen Euro verkauft. Das waren 1,8 Prozent des Pharmaumsatzes und ein durch die geringeren Durchschnittspreise mengenmäßig überproportionaler Marktanteil von 2,6 Prozent. (APA)

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    In der Homöopathie oftmals eingesetzte Globuli

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