Gravuren in Elfenbein

5. April 2005, 13:15
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Das Auktionshaus Quittenbaum zu Jugendstil und Art-Déco und lockt mit dem legendären "Feuertanz" von Ferdinand Preiss

Ferdinand Preiss (1882-1943) gilt als bekanntester deutscher Elfenbeinkünstler. Die in den 20er- und 30er-Jahren entstandenen Arbeiten erzielen international Höchstpreise. Das Auktionshaus Quittenbaum lockt mit dem legendären "Feuertanz" zur nächsten Jugendstil-Art-Déco-Auktion am 11. April.


München - Noch heute vermutet man hinter der Bezeichnung "F. Preiss" fälschlicherweise den Vornamen Fritz oder Frederic, vermutet in ihm einen gebürtigen Österreicher oder Tschechen. Dabei wurde Ferdinand Preiss 1882 in Erbach im Odenwald geboren und avancierte zum Demetre Chiparus des deutschsprachigen Raums.

Im Europa des 17.-19. Jahrhunderts war das französische, an der Küste der Normandie liegende Dieppe das Zentrum der Elfenbeinverarbeitung. An keinem anderen Ort in Europa verschrieben sich so viele Familien mehrere Generationen lang diesem Handwerk. In Deutschland zählte Erbach, neben Michelstadt, Geislingen, Offenbach und Berchtesgaden, zu einem wichtigen Zentrum.

Diese Spezialisten bezeichneten sich selbst als Graveure, um damit ihre feine Arbeitsweise mit dem Stichel zu betonen. Im Volksmund wurden sie weniger ehrfürchtig auch "Krutzer" genannt, abgeleitet von der kratzenden Tätigkeit mit dem Stichel, beim Ausformen winziger Details. Preiss begann 15-jährig eine Lehre bei Philipp Willmann, einem renommierten Elfenbeinschnitzer. 1901 verließ er dessen Werkstatt und unternahm Reisen nach Frankreich und Italien, verdiente etwa bei der Mailänder Firma Ghidini als Modelleur seinen Lebensunterhalt. 1905 begann Preiss für Carl Haebler in Baden-Baden zu arbeiten und lernte dort Arthur Kassler kennen, mit dem er 1906 in Berlin die Firma Preiss & Kassler (PK) gründete.

Während Kassler sich um kommerzielle Belange kümmerte, zeichnete Preiss für die künstlerisch-kreativen zuständig. Man bediente sich zweierlei Produktionsarten: Entweder wurden die Figuren zur Gänze aus Elfenbein geschnitzt. Oder man wandte die so genannte Chryselephantin-Technik an: Der Kern der Figuren bestand aus Holz, das mit Elfenbeinplättchen (für alle nackten Körperteile) und mit Teilstücken aus Metallen (für Gewand und Haare) verkleidet wurde.

Die Einführung der Bronze-Elfenbein-Kombinationen bei Preiss & Kassler geht auf die Berliner Gießerei Gladenbeck zurück. Zu den frühesten dieser Kombinationsfiguren gehört die meist auf einem Onyxsockel montierte Statuette Carmen, die im Dezember 2004 "im kinsky" den Besitzer wechselte - für vergleichsweise sehr moderate 3100 Euro.

Nach Maßstäben des Preiss'schen Oeuvres fällt sie eher in die Kategorie klassischer Typ, der im Gegensatz zu jenem dem Formgefüge des Art Déco entsprechenden steht, und dessen Modelle international wahrhaft für Furore sorgten.

Die harmonischen Bewegungsdarstellungen der Tänzerinnen und Sportlerinnen begeisterten vor allem die Klientel aus England und den Vereinigten Staaten. Wirft man einen Blick in die amerikanische Kunstpreisdatenbank "Artprice" - wo Ferdinand als Fritz geführt wird - hat sich diese geografische Vorliebe im Auktionsbereich erhalten.

Seit 1997 zeichnen die Vereinigten Staaten für 60 Prozent der Preiss-Umsätze verantwortlich, gefolgt von England mit 23, Spanien mit 6 und Deutschland mit 4 Prozent. Österreich fällt in die mit 7 Prozent am weltweiten Umsatz beteiligte Kategorie "Andere". Preiss-Figuren sind am hiesigen Kunstmarkt selten zu Gast, sowohl im Handel, als auch im Auktionsbereich. Seit 1997 gelangten nur vier Figuren zur Versteigerung. Bei 9000 Euro erhopste sich die "Champagner-Tänzerin" (Modellnummer 1082) 2003 im Dorotheum den höchsten Zuschlag in Österreich. International versteigerte man 1998 die meisten Figuren und verzeichnete 2000 den größten Wertzuwachs. Vergangenes Jahr wechselten 24 Statuetten für insgesamt etwas mehr als 225.000 Euro den Besitzer.

Den höchsten Zuschlag verbuchte Christie's 2003 in New York mit umgerechnet knapp 36.000 Euro für das Modell Nummer 1152, besser bekannt als "Feuertanz". Eine etwas kleinere Version der aus Bronze, Elfenbein, Messing und bernsteinfarbenem Bakelit zu einem Bravourstück des Art Déco komponierten Tänzerin gelangt mit einer Taxe von 45.000 Euro bei Quittenbaum in München zur Auktion.
(DER STANDARD, Print-Ausgabe, 31.3.2005)

Von
Olga Kronsteiner
  • Am 11. April versteigert Quittenbaum Ferdinand Preiss' Elfenbeinfigur "Flammentänzerin" (45.000 Euro).
    foto: quittenbaum

    Am 11. April versteigert Quittenbaum Ferdinand Preiss' Elfenbeinfigur "Flammentänzerin" (45.000 Euro).

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