Was in Wien die kleinen Kinder kosten können

31. März 2005, 11:30
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Kindergärten am Prüfstand: Die Versorgung funktioniert zwar flächendeckend, aber die hohen Kosten können für Probleme sorgen.

Wien - Noch gibt es nicht einmal einen Termin für die Wiener Wahlen, ein Wahlkampfthema wurde aber längst gefunden: Wiens Kindergärten. Wie schlecht oder gut sind die Einrichtungen tatsächlich?

Glaubt man der Arbeiterkammer (AK), dann schneidet Wien im Ländervergleich gar nicht so schlecht ab. Die AK hat erst kürzlich eine Studie veröffentlicht, in der die Kinderbetreuung der einzelnen Bundesländer beleuchtet wurden. Ein Ergebnis: Für 24 Prozent aller unter dreijährigen Kinder gibt es in Wien Kinderbetreuung. Zum Vergleich: In Tirol sind es vier, in Oberösterreich sechs und und Niederösterreich acht Prozent. Punkto Kindergarten hat sich laut AK gezeigt, dass in Wien 80 Prozent der unter Sechsjährigen in einen Kindergarten gehen, der ganztägig geöffnet ist und Mittagessen anbietet. In Tirol sind es fünf Prozent und in Niederösterreich zehn.

Städte haben es leichter

"Man muss da fairerweise dazusagen, dass es in Städten und Ballungsräumen leichter ist, gute Kinderbetreuung anzubieten", schränkt Ingrid Moritz, Leiterin der Abteilung Frauen- und Familienangelegenheiten in der AK Wien, im Gespräch mit dem STANDARD ein. Hier gebe es den größten Bedarf, die Erwerbstätigkeit von Frauen sei viel höher - "und diese Wechselwirkung ist unbestreitbar".

Dass die Kosten in Wien sehr hoch sind, lasse sich durch die hohe Dichte an Ganztagseinrichtungen mit Mittagessen-Angebot zwar erklären, aber "natürlich ist das für Eltern immer ein Problem". Das sieht man auch am Institut für Familienforschung (ÖIF) so. "Gerade bei einkommensschwachen Familien gibt es in diesem Bereich Schwierigkeiten", sagt Sonja Dörfler vom ÖIF. Dadurch würden Frauen oft aus dem Erwerb gedrängt, folgert die Soziologin. Eine Lösung wäre, eine niedrigere Deckelung einzuführen. In Schweden etwa zahle niemand mehr als 150 Euro.

Kosten und Ermäßigungen

Derzeit kostet der Besuch eines Ganztagskindergartens der Stadt Wien 202,12 Euro pro Monat. Dazu kommt ein Essensbeitrag von 57,41 Euro. Ein Halbtagsbesuch kostet monatlich 119,63 Euro.

Verdient eine Familie weniger als 2238 Euro im Monat, gibt es gestaffelte Ermäßigungen. Bei einem Einkommen unter 1031 Euro entfällt der "Besuchsbeitrag" zur Gänze.

Was die Öffnungszeiten betrifft, sind die Ganztagskindergärten und -krippen in Wien von 6.30 bis 17.30 Uhr geöffnet - bei Bedarf auch von 6 bis 18 Uhr. Derzeit gibt es in Wien in Summe rund 75.000 Plätze in privaten und städtischen Kindertagesheimen. Dazu kommen 1700 Plätze in Kindergruppen und rund 1500 Plätze bei Tagesmüttern oder Tagesvätern. (frei, pm, DER STANDARD – Printausgabe, 31.03.2005)

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    foto: reuter
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