Vier Hausfrauen und ein Todesfall

11. Mai 2005, 22:06
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In "Desperate Housewives" verzweifeln die Darstellerinnen an ihrem Leben nach "Sex and the City" - Mit Ansichtssache

Am Montag (5.4.) wird im ORF ausgiebig Schmutzwäsche gewaschen: In der amerikanischen Erfolgsserie "Desperate Housewives" verzweifeln die Darstellerinnen an ihrem Leben nach "Sex and the City".

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Seltener Glücksfall einer Fernsehgeschichte: Jener Pilotfilm zu Desperate Housewives, den der ORF dem STANDARD zur Ansicht schickte, war nicht für die Öffentlichkeit bestimmt. Es handelte sich um die unfertige erste Folge der US-Serie – mit einer Schauspielerin, die später noch ausgetauscht werden sollte. Rarität!

So jagt sich also gleich zu Beginn Sheryl Lee als Mary Alice Young eine Kugel in den Kopf. Und nicht wie kommenden Montagabend für die Allgemeinheit zu sehen sein wird, Brenda Strong.

Weil Lee schon die tote Laura Palmer in Twin Peaks spielte, habe die TV-Station kurzfristig umbesetzt, informiert der ORF. Warum der ABC diese bekannte Tatsache nicht schon vor Dreh bedacht haben soll, wird damit freilich nicht beantwortet. Eher schon, dass man mit Lees Stimme unzufrieden war. Selbige spielt in der Serie eine wichtige Rolle.

Kommentare aus dem Jenseits

Aus dem Jenseits kommentiert sie das Treiben ihrer Freundinnen: Sie wohnen in ihren hübschen Häusern mit den frisch gestrichenen weißen Fassaden im noblen Vorstadtgrün. Am Wisteria Lane kontrollieren Ehemänner die Länge des Rasens, sie gehen auf Geschäftsreisen und organisieren Gartenpartys. Ihre Frauen dürfen sich nett präsentieren, am besten blickdicht, aber doch mit tiefem Ausschnitt.

Dahinter öffnet sich ein nicht ganz so strahlendes Paralleluniversum: Lynette (Felicity Huffman), ehemals erfolgreiche Managerin eines Großkonzerns, hetzt jetzt vier hyperaktiven Kindern hinterher. Ihre Freundin Gabrielle (Eva Longoria) ist hübsch – was nicht nur der Gemahl, sondern auch der Gärtner zu schätzen weiß.

Nachbarn abgefackelt

Susan (Teri Hatcher) erzieht alleine und sucht verzweifelt nach männlicher Begleitung. Als der Installateur scheinbar mit der Nachbarin unter einer Decke steckt, fackelt sie – selbstverständlich unabsichtlich – deren Haus ab. Bree (Marcia Cross) spielt die perfekte, liebende Mutter. Als ihre Ehe zu scheitern droht, vergiftet sie – selbstverständlich ebenso unabsichtlich – ihren Mann. Und über all dem steht die Frage: Warum hat sich Mary Alice Young tatsächlich erschossen? Weil sie es Leid war, Hausfrau zu sein? Unschwer zu erraten: Auch in ihrem Leben gab es bergeweise Schmutzwäsche.

Nicht zuletzt aufgrund der Beinahe-Besetzung von Sheryl Lee wurde in den vielen Hymnen auf die Serie immer wieder die Nähe zu "Twin Peaks" bemüht. Vier Hauptdarstellerinnen verleiteten weiters zu einem ebenso verwegenen Vergleich, nämlich jenem mit "Sex and the City".

Dergleichen hinkt mehrfach: Erstens hatte David Lynch vor Twin Peaks einen Film wie Blue Velvet gedreht. Marc Cherry produzierte die Golden Girls, bevor er Desperate Housewives erfand. Zweitens sind die fidelen New Yorkerinnen am anderen Ende der Gesellschaftsskala angesiedelt: Hier die stinkreichen Singles auf der beständigen Suche nach dem Mann für die nächste Nacht oder besser noch fürs Leben. Da die verzweifelten Hausfrauen, die ihn gefunden haben und sich fortan nur noch mit Mittelmaß zufrieden geben müssen.

USA: 24 Millionen schauen regelmäßig zu

In den USA schalten bis zu 24 Millionen regelmäßig ein. Und dürfen sich wie üblich ausgiebig mit den Figuren identifizieren. Die schicken Vier führen nicht nur die In- Listen von Modezeitschriften an. Selbsterfahrung der besonderen Art bietet die ABC- Homepage auf der ABC- Homepage: Dort können User Fragen beantworten und so feststellen, welchem Typ Hausfrau sie am ehesten entsprechen. (Doris Priesching/DER STANDARD; Printausgabe, 31.3.2005)

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abc.go.com

Ansichtssache

"Desperate Housewives" - Außen hui, innen pfui - Perfekte Fassaden, kaputte Figuren

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    foto: orf
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