Postwurf II - K.s Briefträger ist ein zäher Hund...

30. März 2005, 18:03
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Irgendwann wird K. aufgeben – dann wird das Krone-Abo auch bezahlen. Wer sei er denn, schreibt K. ...

Es war vor vierzehn Tagen. Zum ersten Mal. Aber weil K.s Briefträger ein zäher Hund ist, gehen wir davon aus, dass es noch lange nicht vorbei ist. Und irgendwann wird K. aufgeben – dann wird das Krone-Abo auch bezahlen. Wer sei er denn, schreibt K., sich dem Willen und dem Wissen von zwei Instanzen ­ der Pots und der Krone – zu verschließen? Die werden schon wissen, was sie tun. Meint K.

Beharrlichkeit

Noch dazu, wenn es mit so großer Beharrlichkeit geschieht: Beim ersten Mal habe er sich nichts dabei gedacht: Briefträger sind schließlich auch nur Menschen – und ähnliche Nachnamen in einer Straße können da schon mal zu einer Fehlzustellung führen. Auch wenn die Namensähnlichkeit sich bloß auf die Endsilbe eines Nachnamens bezieht - und die Hausnummer ganz anderswo liegt. (Dass man sich als Zusteller auch – namensunabhängig - einmal um ein ganzes Haus irren kann, war hierorts auch schon einmal Thema).

In der Regel sind solche Fehler aber kein Problem, bestätigt auch K.: Solche Briefe bleiben bei ihm wie bei mir entweder im Postfach – und der Postler überreißt seinen Fehler. Oder aber sie stehen – zumindest in K.s Haus – halt bis zur nächsten Zustellung auf oder neben den Briefkästen. Aber bei der Krone-Rechnung war/ist das anders: Sie im Postkasten zu lassen nutzte nichts, schreibt K. – der Briefträger wollte sie nicht zurück. Sie unter den Postkästen abzustellen war ebenso sinnlos: Mehrmals wanderte das Poststück für einen Menschen am anderen Ende meiner Straße wieder in K.s Postfach.

Zäher Zustellwille

Nach einer Handvoll unkommentierter Durchgänge beschriftete K. dann das Kuvert: „Falscher Name, falsche Hausnummer – aber prinzipiell gratuliere ich zum zähen Willen zur Zustellung“ schrieb K. auf das Kuvert. Am nächsten Tag war es wieder im Briefkasten. K. griff, schreibt er, zum Post-It. Er klebte die Adresse ab und schrieb mit Edding „Falsch“ auf den gelben Zettel. Am nächsten Tag lag das Kuvert wieder in seinem Fach. Ohne Post-It. Da griff K. noch einmal – ein letztes Mal, wie er schreibt, zum Stift: Er übermalte die Adresse auf der Rechnung komplett – und schrieb die richtige auf das Kuvert.

Am Werktagsmorgen darauf war K.s Briefkasten leer. Die Rechnung war nicht mehr da. K. atmete auf. Aber heute morgen, schreibt K, sei er dann aus allen Wolken gefallen: Als er die Wohnungstür öffnete, lag die Kronen Zeitung auf seiner Fußmatte.

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