Die Spreu trennt sich vom Weizen

13. April 2005, 14:37
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Wer jetzt in Osteuropa-Fonds einsteigt, kann nach dem Abflachen des Booms bei entsprechender Vor- und Umsicht immer noch sehr solide Renditen erwarten

Die Kursentwicklung der Vergangenheit, schreiben sorgfältige Fondsgesellschaften auf ihre Prospekte, sei kein Indikator für künftige Performance. Ein zentraler Satz, weil Privatanleger gerne dazu neigen, am Höhepunkt einer Rallye einzusteigen. Bestes Beispiel: die Dotcom-Blase. Ende 1999 waren so viele Kleinanleger Aktionäre wie nie zuvor. Wenige Monate später platzte die Blase, und die Späteinsteiger verloren ihr Geld.

"Kanonenfutter" nennt der prominente bayrische Buchautor und Finanzberater Uwe Bergold, das, was solche kleinen Anleger für professionelle Investoren sind: Die großen trennen sich langsam von ihren Positionen und fahren Gewinne ein. Ihr "Material" wandert in die Hände von Kleinanlegern. Über einen kurzen Zeitraum steigen die Kurse noch, dann sind die Großen draußen, die Kurse sinken und die Kleinen haben die Trümmer im Depot. So gesehen ist Skepsis zur weiteren oder neuen Geldanlage in Osteuropa angebracht: Im Vorjahr waren bei Osteuropa-Aktienfonds rund 40 Prozent zu verdienen, viele Produkte haben in den vergangenen drei Jahren jährlich mehr als 20 Prozent abgeworfen. Bis Anfang März stieg der Osteuropa-Aktienindex MSCI Eastern Europe erneut über 20 Prozent.

Gesunde Korrektur

In den ersten beiden Märzwochen allerdings haben die Osteuropa-Börsen teils kräftig abgegeben. "Gesunde Korrektur" heißt das fast unisono bei den Anlagegesellschaften. Zeit also für Alarmglocken? Die Antwort ist eigentlich immer dieselbe: Das hängt vom Einstiegszeitpunkt ab. Wer sich vor zwei oder drei Jahren Osteuropa-Aktienfonds gekauft hat, braucht sich wohl nicht übermäßig zu fürchten. Die Erträge werden vermutlich abflachen, vielleicht auf einen höheren einstelligen Bereich. Ein Crash ist - geopolitische Schocks ausgenommen - aber sehr unwahrscheinlich.

In der Osteuropa-Produktpalette ist hingegen sehr wahrscheinlich, dass sich die Spreu vom Weizen trennt: Wenn der Gesamtmarkt den Höhenflug nicht hält, dann hängt es an der Güte des Fondsmanagement, welche Einzeltitel die Performance bringen. Dabei geht es auch stark um die Gewichtung russischer Wertpapiere und damit um die Philosophie des Fondsmanagements: Wird der Fokus auf die wirtschaftlichen Möglichkeiten die politische Skepsis überwiegen?

Anleger sind nicht schlecht beraten, wenn sie ihre eigene Meinung mit der Strategie der jeweiligen Fonds überprüfen. Eine Vielzahl von neuen Börsengängen und weiteren Privatisierungen, nicht zuletzt die Aufnahme der Türkei in den Investmentfokus der Osteuropa-Experten, dürfte dabei noch Spielraum bieten. Grundlegend setzt sich der wirtschaftliche Aufholprozess des erweiterten Europa und der Beitrittsländer der kommenden Runde wohl noch einige Jahre fort. Damit stehen die Chancen nicht schlecht, dass solche Aktienprodukte "konventionelle" Aktienfonds in ihren Erträgen übertreffen können.

Vorsicht ist bei der Geldanlage aber immer noch ein guter Ratgeber. Daher bieten sich für Neueinsteiger mittlerweile ja auch genügend Produkte mit Kapitalschutz an. Diese Fonds mit Fallschirm gegen Verluste sollten allerdings genau angeschaut werden, das heißt: Die Partizipation für Anleger an der möglichen Performance sollte möglichst hoch sein.

Verlustschutz Nullkuponanleihe

Günstig sind dabei etwa Kapitalschutzinstrumente wie das CPPI-Modell (Constant Proportion Portfolio Insurance). Eine Nullkuponanleihe bietet dabei den Verlustschutz. Sie wird dynamisch mit nach oben gezogen, erzielte Gewinne werden eingeloggt, der Wert des Produktes kann so nie unter die Nullkupon-Schwelle fallen, und die Partizipation an Kursgewinnen ist vergleichsweise günstig.

Zum Thema Osteuropa für Vorsichtigere eignet sich aber auch ein Blick in die Anleihenwelt: Günstige Inflationsdaten erhöhen die Attraktivität des Zinssegments. Beimischung von Ostanleihen in ein Euro-Bonds-Depot räumt die Chance ein, einige Basispunkte Mehrrendite zu erwirtschaften.

Fazit: Wer nicht alles auf ein Pferd setzt und sich in Erinnerung ruft, dass es bereits ein sehr guter jährlicher Anlageerfolg ist, wenn Wirtschaftswachstum plus Inflation (also rund zwei Prozent plus 2,3 Prozent) als Ertrag verbucht werden können, der ist mit einer Osteuropa-Orientierung mit einem Teil des Ersparten bestimmt nicht schlecht beraten. (Karin Bauer, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 30.3.2005)

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