Staatlich prämierte Vorsorge für Pension soll attraktiver werden

7. April 2005, 15:20
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Kapitalmarkt-Beauftragter Richard Schenz plädiert für eine Attraktivierung der Zukunftsvorsorge und für Vereinfachungen beim Übernahmerecht

Wien - Die steuerlich geförderte und staatlich prämierte Altersvorsorge in Österreich hat in den ersten beiden Jahren ihres Bestehens zu etwa 450.000 Abschlüssen geführt. Das sei gut, aber nicht genug, sagte der Kapitalmarktbeauftragte der Bundesregierung, Ex-OMV-Chef Richard Schenz, am Dienstag im Klub der Wirtschaftspublizisten. Man könne und solle das Produkt attraktiver gestalten.

Einen verstärkten Run auf dieses Vorsorgeprodukt verspricht sich Schenz durch Einführung einer garantiefreien Variante, die vor allem für jüngere Leute interessant sei, die erst in 30 bis 50 Jahren ins Rentenalter kommen. Im Gegensatz zu den herkömmlichen Produkten mit Kapitalgarantie, die ein Prozent des eingesetzten Kapitals kosten, würde das Gewinnpotenzial bei der garantielosen Variante kräftig nach oben geschraubt.

Einbezug von Einmal-Erlägen

Als zweite Maßnahme schwebt dem Kapitalmarktbeauftragten der Einbezug von Einmal-Erlägen vor. Schenz: "Warum sollte jemand, der plötzlich 20.000 Euro zur Verfügung hat, diese Summe nicht auch in so ein Produkt investieren, die staatliche Prämie kassieren und dann zehn Jahre eine Ruh' haben können inklusive Verlängerungsmöglichkeit nach dieser Zeit?"

Außerdem will Schenz die Möglichkeit schaffen, dass kurz vor Pensionsantritt die Aktienquote von 40 Prozent auf 20 Prozent herabgesetzt werden kann. "Das ist sinnvoll, wenn man zum Beispiel zehn Jahre vor der Pension steht und die Schwankungen nicht so durchschlagen lassen will."

Alle drei Punkte habe man in einem kürzlich erfolgten Treffen mit Finanzminister Karl-Heinz Grasser und Beamten des Ministeriums zur Sprache gebracht und sei damit auf positive Resonanz gestoßen. Schenz: "Man hat uns gesagt, wir sollen ausleuchten, wie das in der Branche gesehen wird und einen Vorschlag präsentieren." Die Chancen stünden gut, dass die Neuregelung noch heuer passiert.

Kodex statt Gesetz

Um den Kapitalmarkt weiter zu stärken, sprach sich Schenz auch für die Vereinfachung des Übernahmerechts und die Umsetzung des Corporate Governance Kodex ohne gesetzliche Bestimmungen aus. "Wir haben neben Dänemark und Norwegen das komplizierteste Übernahmerecht in Europa. Meiner Meinung nach sollte das geändert werden und zwar so, dass jemand, der über 30 Prozent hält, ein Übernahmeangebote stellen muss und wer darunter liegt nicht." Die in Österreich bestehende "Grauzone" zwischen 20 Prozent plus einer Aktie und 30 Prozent, wo die Übernahmekommission entscheidet, hält Schenz für schlecht. Private Kernaktionäre würden dadurch massiv verunsichert. Als Kompromiss könnte sich Schenz die Einengung der "Grauzone" auf 25 Prozent plus eine Aktie und 30 Prozent vorstellen.

Zum Gesellschaftsrechtsänderungsgesetz sagte Schenz, er sei unglücklich, dass die im Corporate Governance Kodex festgeschriebenen Regeln in ein Gesetz verpackt werden sollen. "Das führt zu einem Wettbewerbsnachteil." Es sollte reichen, dass sich ein Unternehmen erklärt, wenn es eine Regel des Kodex nicht einhalten kann. Schenz: "Die Investoren wollen Transparenz, alles andere interessiert sie nicht." (stro, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 30.3.2005)

  • Richard Schenz (Bild) plädiert für eine Attraktivierung der Zukunftsvorsorge und Vereinfachungen beim Übernahmerecht
    foto: standard/robert newald

    Richard Schenz (Bild) plädiert für eine Attraktivierung der Zukunftsvorsorge und Vereinfachungen beim Übernahmerecht

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