Wallis NS-Akt wurde dicker

19. Dezember 2005, 15:01
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Landeshauptmann Eduard Wallnöfer ist 1944 rückwirkend zum 1. Jänner 1941 in die NSDAP aufgenommen worden - Das belegt ein Bericht des Tiroler Landesarchivs

Innsbruck – Die von Landesarchivdirektor Richard Schober in seinem am Dienstag vorgelegten Bericht zitierten Dokumente belegen, dass der spätere Landeshauptmann knapp 25-jährig im Juni 1938 einen Antrag auf Aufnahme in die NSDAP gestellt hat. Weil sich Wallnöfer im Februar 1938 nach einer Notiz der Kreisleitung Imst "in gemeiner Weise gegen Führer und Nationalsozialismus geäußert" habe, blieb der Antrag dort hängen.

Im Jänner 1941 stand Wallnöfer wegen eines Verkehrsunfalls vor Gericht und bezeichnete sich als "NSDAP- Anwärter". Damit brachte er indirekt sein Aufnahmeverfahren wieder in Schwung, weil die Verurteilung zu einer Geldstrafe von 20 Reichsmark dem Gaugericht der NSDAP mitgeteilt wurde.

Im März 1943 gab der Imster NSDAP-Kreisleiter das Auf 2. Spalte nahmeverfahren frei, indem er die ideologischen Zweifel auf dem Personalfragebogen ergänzte: "Mit Beschluss vom 26.8.41 überholt. Im Februar 1944 wurde Wallnöfer schließlich rückwirkend zum 1.1.1941 unter der Mitgliedsnummer 9 566 289 in die NSDAP aufgenommen.

"Die Akte Eduard Wallnöfer scheint nun vollständig zu sein", kommentierte Landeshauptmann Herwig van Staa (VP) den Bericht. Mitte Februar hatte das Öffentlichwerden von Wallnöfers NSDAP-Mitgliedschaft durch das Nachrichtenmagazin profil für Aufregung gesorgt. Van Staa und Schober formulierten Zweifel an der Echtheit der Dokumente, Schober nahm seine Skepsis einen Monat später mit den Worten: "Ich hätte meine Einschätzung vorsichtiger formulieren sollen" zurück.

Ursprünglich wollte van Staa einen Mitarbeiter des Landesarchivs zur Überprüfung der Akte nach Berlin schicken, dank der Übersendung aller Unterlagen durch das Bundesarchiv ist diese Dienstreise nun unterblieben. "Ob Wallnöfer dabei war oder nicht, ändert nichts an der Einschätzung seiner Person", erklärt van Staa nun und bescheinigt seinem Schwiegervater "keine Beteiligung im Sinne der NS-Ideologie".

Keine Elitengeschichte

Van Staa beharrt auch darauf, in diesem Zusammenhang keinen öffentlichen Forschungsauftrag erteilen zu wollen. Der Grünen-Antrag, die großen Lücken bei der Aufarbeitung der Elitengeschichte Tirols in der NS-Zeit zu schließen, wird von van Staa weiterhin abgelehnt. "Alle Wissenschaftler der Uni haben alle Unterlagen jeden Tag zur Verfügung", meint er. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 30.3.2005)

Von Hannes Schlosser
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