Geschäftsgegenstand Glück

5. Juli 2005, 13:17
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Michaela Honies war lange im Public-Relations-Bereich tätig. Bei ihrer Selbst­ständigkeit wurde vieles ganz anders

Generell heißt es ja, dass die einfachsten Business-Ideen die besten sind. So wie diese: "Ich will mit glücklichen Menschen zu tun haben." Wenn Michaela Honies heute diese Geschichte erzählt, als sie damals vor drei Jahren als Kommunikationschefin des Mineralölkonzerns Shell in Österreich den Beschluss fasste, sich selbstständig zu machen, dann sagt sie: "Ich weiß, dass klingt kitschig. Aber es war wirklich so."

Und so hat sie sich eben ein Betätigungsfeld gesucht, in dem die Wahrscheinlichkeit, glückliche Menschen zu treffen, doch sehr hoch ist: Hochzeiten. Der Unterschied könnte größer nicht sein - vorher die toughe Welt des Mineralöl-Multis, der wegen der Versenkung der Ölplattform Brent Spar international unter Beschuss stand. Und nachher: Menschen, die "Glück" zelebriert haben wollen - und mit denen man in eine Geschäftsbeziehung eintreten kann. Heute ist die Mittdreißigerin und Absolventin der Wirtschaftsuniversität eine der meistbeschäftigten "Wedding Planner" Österreichs. Nur in Salzburg gibt es einen zweiten, die mit ihr bei der Anzahl der ausgerichteten Hochzeiten vergleichbar ist.

Michaela Honies, Tochter des Wirtschaftsjournalisten Heinz Honies, arbeitete schon während des Studiums in PR-Agenturen, danach eben bei Shell. Die Agentur Elegantevents entstand, indem sie Mitarbeiter und Verträge vom Tourismusbüro Wien übernahm. Dieses hatte eine Abteilung für Hochzeitslocations wie beispielsweise Schönbrunn oder das Riesenrad. Nur forciert wurde dieser Geschäftszweig nicht gerade. Das sollte sich ändern.

Heute hat Honies die Exklusivverträge mit Schönbrunn, Riesenrad und anderen Örtlichkeiten - wer sich im Habsburger-Schloss trauen lassen will, muss das über ihre Agentur organisieren lassen. Das ist das Asset der Agentur. "Sobald man jemandem nur erzählt, dass es möglich ist, in Schönbrunn zu heiraten, hat man oft schon gewonnen."

"Rund hundert", sagt Honies im STANDARD-Gespräch auf die Frage, wie viele es pro Jahr sind. "Zwei Drittel davon mit Paaren aus dem Ausland." In Österreich sei die Dienstleistung der Hochzeitsplanung noch nicht so verbreitet, "aber es wird schon".

Die Art der Dienstleistung ist vielfältig und in jeder Kombination zu haben - vom Reservieren des Termins und des Standesbeamten in der Wunschlocation bis hin zum Full Service mit Big Band, Haubenkö- chen und tagelangem Rahmenprogramm für die Hochzeitsgäste.

"Ich versuche, Wien als romantische Stadt zu verkaufen", so Honies. Es gebe Vorteile gegenüber anderen Metropolen: "In Paris muss man beispielsweise vorher einige Monate gemeldet sein, um heiraten zu dürfen." So genannte Destination-Weddings seien in den USA und Japan mittlerweile ein richtiger "Industriezweig". "Das beginnt jetzt auch in Europa." Das Medium Internet ist dabei unverzichtbar: "Es ist ein absolutes Internetbusiness", so Honies. "Ich habe mich auch dabei am US-Markt orientiert." Bei einer der größten Hochzeiten, die sie jemals ausgerichtet hat, kam der Erstkontakt übers Netz. "Die Homepage habe übrigens ich selbst gemacht."

2004 habe der in Relation zum US-Dollar starke Euro das Geschäft etwas gedämpft. Beginnt die Konkurrenz aus diesem oder anderen Gründen bereits mit Dumpingpreisen zu reagieren? "Dumping? Die können dumpen, so viel sie wollen. Am Ende zählt doch nur die Leistung." Obwohl, es sei in Österreich noch immer generell schwieriger, Dienstleistungen zu verkaufen. Über Preise ihrer Leistungen will sie aber nur im persönlichen Beratungsgespräch reden. "Die Bandbreite ist ja wirklich sehr groß."

Was macht eine gute Wedding-Plannerin aus? Die Antwort: Balance zwischen Empathie und Professionalität. "Wir agieren im Hintergrund, erfahren die privatesten Dinge, wahren aber so viel Distanz, dass wir im Notfall dem Brautpaar den schönsten Tag ihres Lebens retten. Dafür braucht es Profis."

Schließlich die Frage an die Wedding-Plannerin, die ganz private, die jetzt vermutlich allen auf der Zunge liegt - die haben wir natürlich auch gestellt. Unter Profis. (Der Standard, Printausgabe 26./27./28.3.2005)

Von Leo Szemeliker

Elegantevents
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