Porträt: Robert Mugabe - Vom Unabhängigkeitsführer zum Despoten

24. Mai 2005, 10:52
4 Postings

Partei des autokratischen Präsidenten Simbabwes dürfte bei Parlamentswahl siegen

Harare - Robert Gabriel Mugabe ist einer der letzten einstigen Freiheitshelden Afrikas, die heute noch an der Macht sind. Als die britische Kronkolonie Südrhodesien 1980 unter dem Namen Simbabwe offiziell unabhängig wurde, knüpften sich die Hoffnungen der schwarzen Mehrheitsbevölkerung an den Namen des Lehrers und früheren Hirtenknaben. Seither wandelte sich Mugabe allerdings zu einem autokratischen Herrscher eines mittlerweile international isolierten Krisenstaates. Auch bei den Parlamentswahlen am kommenden Donnerstag wird der Präsidenten-Partei ZANU-PF der Sieg nicht zu nehmen sein.

Dem Mann mit dem kleinen Bärtchen und den großen Brillenfassungen werden unbestreitbare Verdienste um die Befreiung Simbabwes von der weißen Vorherrschaft zugesprochen. "Er war ein strahlender Stern an unserem Firmament, jemand auf den wir stolz waren. Der Zerfall seiner Persönlichkeit ist schwer zu verstehen. Er ist machthungrig und verhält sich nicht rational", sagte einmal der anglikanische Erzbischof, südafrikanische Anti-Apartheid-Aktivist und Friedensnobelpreisträger Desmond Tutu über Mugabe.

Jesuitenschüler

Der einstige Jesuitenschüler begann als Politiker auf Rassenhass zu setzen und die Opposition und die Meinungsfreiheit zu unterdrücken. Seine Landreform mit der gewaltsamen Besetzung von Farmen und der entschädigungslosen Enteignung ihrer weißen Eigentümer führten ab dem Jahr 2000 in eine anhaltende politische und wirtschaftliche, von Hunger und hoher Inflation begleitete Krise.

Geboren wurde Mugabe am 21. Februar 1924 als Sohn eines Tischlers in der Missionsstation Kutama. Er studierte in Südafrika, schloss sich in den 60er Jahren dem bewaffneten Widerstand an und verbrachte mehr als zehn Jahre in einem Internierungslager.

1974 wurde er Führer der Nationalen Afrikanischen Union (ZANU) und organisierte von Mosambik aus Guerilla-Überfälle. Nach dem Ende des weißen Minderheitsregimes unter Ian Smith und der Unabhängigkeit 1980 schlug Mugabe als Premier überraschenderweise dann Töne der Versöhnung an. Sein Kabinett setzte den Anführer der konkurrierenden Bewegung ZAPU, Joshua Nkomo, allerdings als Präsidenten ab; ZANU und ZAPU wurden später zur ZANU-PF vereinigt.

1987 wurde der Regierungschef gleichzeitig Staatspräsident. Nach offenkundigen Manipulationen bei Mugabes letzter Wiederwahl vor drei Jahren, setzte der Commonwealth die Mitgliedschaft Simbabwes aus. In der Folge verließ Mugabe die aus dem Britischen Empire hervorgegangene Gemeinschaft.

Im Februar beschloss die EU, ihre bestehenden Sanktionen gegen Harare wegen andauernder Menschenrechtsverletzungen um ein Jahr zu verlängern. US-Außenministerin Condoleezza Rice nannte Simbabwe in einem Atemzug mit Kuba, Nordkorea, dem Iran und Burma einen "Vorposten der Tyrannei".

Nach Ansicht von Experten sind freie und faire Wahlen in Simbabwe unter den gegebenen Umständen nicht möglich. Der heute 81-jährige Präsident ließ in der Vergangenheit mehrfach unabhängige Zeitungen schließen. 3,4 Million im Ausland lebende Simbabwesen, die rund 20 Prozent der Bevölkerung ausmachen, ließ Mugabe von der Parlamentswahl ausschließen. Ein Großteil von ihnen hätte vermutlich die oppositionelle Bewegung für demokratischen Wandel (MDC) unterstützt.

Laut einer Umfrage könnte die ZANU-PF 83 der zur Wahl stehenden 120 Abgeordnetenmandate erringen. Unter den Kandidaten der Partei sind auch Familienmitglieder des Staatschefs. Darüber hinaus ernennt der Präsident 30 Parlamentarier ohnehin selbst. (APA/dpa/Reuters/AP)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Robert Mugabe, Präsident

Share if you care.