Geistesblitz: Experimentalphysiker Max Lippitsch

26. März 2005, 11:00
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Fasziniert von den einfachen Dingen im Leben koordiniert er Österreichs Aktivitäten zum Weltjahr der Physik

Einfache Dinge seien es, die ihn faszinierten, ihn fesselten und immer weiter trieben, begründet Max Lippisch seine damalige Entscheidung, Experimentalphysik an der Universität Graz zu studieren. Kann wohl nicht ganz sein, oder? Doch, doch, beharrt der in Kärnten geborene Wissenschafter. Denn die Physik sei überhaupt nichts anderes als "die Wissenschaft von den einfachen Dingen". Freilich, der 58-jährige Geschäftsführer der Österreichischen Physikalischen Gesellschaft, der als solcher sämtliche heimischen Aktivitäten zum laufenden Weltjahr der Physik in Erinnerung an Albert Einstein koordiniert, gibt zu, dass gewisse Bereiche der Physik, vor allem die Quantenphysik, immer wieder Anreize geben, ins Metaphysische abzugleiten - um dort mithilfe wissenschaftlicher Erkenntnisse komplizierten Dingen wie der Frage nach einer göttlichen Existenz auf die Schliche zu kommen. "Hier überschreitet die Physik aber ihre Kompetenz, das ist Sache der Philosophie", stellt der ehemalige Obmann der Sektion Quantenelektronik der Physikalischen Gesellschaft fest. Physik untersuche das Wie, nicht das Warum, gehe also einen verhältnismäßig einfachen Weg.

Max Lippitschs Weg in die Experimentalphysik begann bereits im Alter von zehn Jahren. Es wurde gerade der erste Sputnik ins All geschossen. Fasziniert von den unendlichen Weiten und ihren Geheimnissen, drängte er seinen Vater, ihn zu einem Vortrag über den Kosmos mitzunehmen. Was dieser auch tat. Dann bekam er sein erstes physikalisches Buch über das Universum. "Mich beeindruckte dabei am meisten, dass die Physik imstande ist, für mich, damals ein Jugendlicher, unerklärliche Theorien Wirklichkeit werden zu lassen", erinnert sich der mit einer Biologin verheiratete Vater zweier Söhne - einer von ihnen leistet derzeit beim Roten Kreuz Zivildienst, einer studiert Telematik. Aber da war noch seine Liebe zu Kunstgeschichte und Musik.

"Nach der Matura", erinnert sich Lippitsch, "diskutierte ich mit einem Freund, was wir denn nun studieren sollten." Die Entscheidung fiel auf Experimentalphysik, nicht zuletzt im Glauben, die Liebe zu Musik und Kunstgeschichte könne durch entsprechende Hobbys befriedigt werden. "Das hat leider nicht gestimmt", bedauert Lippitsch, "die Zeit dafür ist viel zu knapp bemessen." Alles, was davon geblieben ist, ist die Musik, die synthetische: "Zum Ausgleich meiner Arbeit komponiere ich am Computer." Daneben hält ihn die Familie auf Trab, und beruhigt ihn ein 1000 Liter fassendes Aquarium mit afrikanischen Fischen. "Mich faszinieren die Natur und ihre Lebewesen."

Das Studium beendete Lippitsch 1975 mit seiner Promotion sub auspiciis. Es folgten Forschungsaufenthalte in Afrika, Russland, Israel und den USA, der Max-Auwärter-Preis für Oberflächenphysik, eine Professur an der Grazer Karl-Franzens-Universität und schließlich die Geschäftsführung der Physikalischen Gesellschaft. "Wenn diese Tätigkeit beendet ist, werde ich mich wieder verstärkt der Forschung zuwenden", sagt Lippitsch. Schwerpunkt: Optik - Laseranwendungen für die Praxis, etwa in der Medizin. Bis dahin gilt es jedoch, Österreichs Aktivitäten zum Einstein-Jahr gut über die Bühne zu bringen. Nicht zuletzt, um "das Image der Physik aufzupolieren". (Andreas Feiertag/(DER STANDARD, Print-Ausgabe, 26./27./28. 3. 2005)

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    illustration: oliver schopf
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