Der Sänger macht das Spiel

31. März 2005, 13:53
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Oster- und Britten-Festspiele mit Ian Bostridge und den Berlinern

Salzburg - Im österlichen Salzburg wird - Sir Simon Rattle sei es gedankt, im Sinne europäischer Klangverständigung - das Schaffen Benjamin Brittens in den Mittelpunkt der Berliner philharmonischen Konzerte gerückt. Zudem boten diese Auftritte des deutschen Weltorchesters Möglichkeit, den fabelhaften, sprechend-singenden Ian Bostridge Abend für Abend zu erleben. Die Chance bot sich im Verlauf dreier Werke, die Britten in Verehrung dem Tenor Peter Pears im wahrsten Sinne in die Stimmbänder geschrieben hat.

Am ersten Abend - wir berichteten - waren es die Illuminations, nun in den Konzerten zwei und drei das vieldeutige, literarisch flexible Nocturne (op. 60) und die Serenade (op. 31), deren schlanke, gänzlich unviktorianische Gedanken- und Klangverbindungen zum Besten, zum Tragfähigsten gehören, was die englische Musik zu bieten hat. Man denke nur an etliche Orchesterschinken von Elgar, Vaughan-Williams oder Delius mit hohem akustischem Speckgehalt! Ian Bostridge ist ein begnadeter Musikdarsteller ohne Anzeichen von Selbstverliebtheit. Er dient als Medium, er verleiht Text und Musik Verständlichkeit.

Solche erklärende Intensität hätte man sich auch von Rattles Mozart-Aufführungen (KV 550 und 551) gewünscht. Zu viel gewünscht! Aus der Perspektive des Lauteren, des Wohlmeinenden und eines Immerwährend-Launigen bleibt alles an der Oberfläche.

Für den folgenden Restaurantbesuch mag dies förderlich sein, nicht aber für die Annalen des Unvergesslichen, deren imaginären Spalten wir ja doch das eine oder andere gerne hinzufügen möchten. Gute, wichtige Informationen im Konzertumfeld: Gustav Mahlers Adagio aus der Symphonie Nr. 10 und ein gemächliches Schubert-Adagio (D 936a)! Sir Simon Rattle sei Dank für diese Initiativen im Sinne festivalbefruchtender Kontraste. (DER STANDARD, Printausgabe, 26./27./28.03.2005)

Von
Peter Cossé
  • Bild nicht mehr verfügbar

    Ian Bostridge in Salzburg

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