Tauziehen um die Verwertung des Zentralbahnhof-Areals

7. März 2006, 14:44
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Die ÖBB machen Druck: Entweder es gibt bald eine Einigung mit dem Investor - oder die Bahn wickelt den Grundstücksdeal im Alleingang ab

Wien - ÖBB-Chef Martin Huber wird ungeduldig: Entweder die Verhandlungen über die Verwertung des Areals links und rechts des künftigen Zentralbahnhofes gehen jetzt rasch über die Bühne - oder die Bahn erledigt das im Alleingang. "Bis 30. Juni muss es eine Lösung geben, sonst machen wir etwas. Das Konzept liegt fixfertig in der Lade", drängte Huber am Freitag den potenziellen Investor B.A.I. (Bauträger Austria Immobilien).

Optimistisch

Doch im gleichen Maß wie Huber fordert - ist B.A.I.-Chef Thomas Jakoubek optimistisch: Er erwartet sich einen Verhandlungsabschluss "sicher bis Ende April".

Status quo ist jedenfalls, dass die großen Bahnhöfe Wiens die Schandflecke der Stadt sind. Und das ist nicht nur Bewohner-Meinung, sondern auch Ergebnis europaweiter Vergleichsstudien. Vor allem bei Kundenfreundlichkeit und Servicequalität schneiden die Wiener Bahnhöfe besonders schlecht ab.

Mega-Investition

In den kommenden Jahren soll das anders werden: Die ÖBB investieren mit Unterstützung der Stadt hunderte Euro-Millionen in den Westbahnhof, den Bahnhof Wien-Nord und den neuen Zentralbahnhof. Auch für Wien-Mitte, wie DER STANDARD bereits berichtete, soll demnächst eine Bauentscheidung fallen.

Beim Zentralbahnhof - von der Stadt Wien auch hochtrabend "Bahnhof Wien - Europa Mitte" genannt - steht dagegen seit Kurzem der Baubeginn fest. Mehr oder weniger: Nach einem Gipfeltreffen zwischen Bürgermeister Michael Häupl (SP) mit Infrastrukturminister Hubert Gorbach (FP) und den ÖBB hieß es, mit dem Bau solle 2007 begonnen werden. Nachsatz: Und wenn sich die Genehmigungsverfahren nicht ausgehen, dann halt "spätestens" 2008.

Näher zur U1

Die Kosten für den Bahnhof - der Süd- und Ostbahnhof ersetzt und näher zum Südtirolerplatz (U1) rückt - liegen bei rund 420 Millionen Euro. Wien trägt dazu 40 Millionen bei, zusätzlich bringt die Stadt 88,5 Millionen Euro für technische und soziale Infrastruktur im Stadterweiterungsgebiet südlich der Station auf.

Die alte Bahnhofshalle aus der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg könnte nach Angaben von Norbert Steiner, Chef der ÖBB-Bahnhofsoffensive, gleich zu Beginn der Arbeiten abgetragen (und nicht gesprengt) werden. Im Gegensatz zum Westbahnhof steht sie nicht unter Denkmalschutz. Der Abbruch der alten Gleisanlagen soll dann in zwei Schritten, nämlich 2009 und 2010/11 erfolgen.

Voll im Plan

Viel weiter ist man bereits beim Bahnhof Wien-Nord am Praterstern. Man liege "voll im Fahrplan" und wolle den Umbau 2007/08, rechtzeitig zur Fußball-Europameisterschaft, fertig stellen - sofern die in Wien stattfindet. Übersiedlungs- und Abbrucharbeiten haben bereits begonnen, im Herbst startet der Umbau. Die Pläne dafür stammen von Albert Wimmer, 37 Millionen Euro sind veranschlagt.

Ab 2007 soll nach einigen Verzögerungen auch am Westbahnhof gebaut werden. Bis 2009 ist unter anderem eine Shoppingmall unter der Bahnhofshalle geplant, die ohne Niveauunterschied von der äußeren Mariahilfer Straße erreichbar sein soll. Von den ÖBB sind dafür knapp 30 Mio. Euro eingeplant. (APA, frei, DER STANDARD Printausgabe, 26.03.2005)

  • Das Siegerprojekt der Architekten Hoffmann und Wimmer
    foto: regine hendrich

    Das Siegerprojekt der Architekten Hoffmann und Wimmer

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