Polizei forciert Kampf gegen Cannabis

28. März 2005, 19:50
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Exekutive war erfolgreich mit neuer Strategie, "kleine Fische" zu fangen: Mehr Sichererstellungen im Vorjahr - Weniger Ecstasy

Wien – Österreichs Drogenfahnder waren im Vorjahr sehr aktiv, vor allem auf dem illegalen Cannabismarkt, wie der am Freitag veröffentlichte Suchtmittelbericht 2004 beweist: Von insgesamt 25.215 Anzeigen nach dem Suchtmittelgesetz (verglichen mit 2003 ein Plus von 13 Prozent) erfolgten nicht weniger als 21.252 wegen Handel und Besitz von Cannabis.

Weniger Anzeigen

Die Strategie, verstärkt "kleine Fische" im illegalen Drogengeschäft zu verfolgen, schlägt sich auch in der Aufschlüsselung in Verbrechen (Strafandrohung mehr als drei Jahre Gefängnis) und Vergehen (Höchststrafe maximal drei Jahre) nieder: Mit 2443 Anzeigen gingen Verbrechenstatbestände um 2,5 Prozent zurück, Vergehen stiegen hingegen um 15 Prozent auf 22.772 Anzeigen. Die Statistik gibt keine Auskunft über tatsächliche Verurteilungen.

Rückgang bei Ecstasy

Die sichergestellten Drogenmengen sind beachtlich: 1114 Kilogramm Cannabisprodukte (plus ein Fünftel), 235 Kilo Heroin (plus 448 Prozent), 75,5 Kilo Kokain (plus 30 Prozent), 2228 LSD-Trips (plus 647 Prozent). Auffallend war im Vorjahr hingegen der Rückgang der sichergestellten Ecstasy- Menge. 122.662 und ein halbes Stück bedeuteten einen Rückgang um knapp 71 Prozent gegenüber 2003.

Die Erklärung von Herwig Haidinger, dem Direktor des Bundeskriminalamtes: "Offenbar ist der Verfolgungsdruck international sehr groß geworden." Als Beleg dafür nannte er die Aushebung einer Ecstasy-Fabrik in Polen, deren Werksleiter – ein Chemiker – an der Universität unterrichtete. Alle illegalen Drogen, die in Österreich im Vorjahr aus dem Verkehr gezogen wurden, stellen laut Polizei einen Schwarzmarktwert von 33,333.000 Euro dar.

Ein eigenes Kapitel ist im Bericht des Innenministeriums den rund fünfzig Hanfläden (Grow-Shops) in Österreich gewidmet. Dort wird die Nutzung des Hanfes offiziell als Luftverbesserer, zur Gelsenabwehr oder als Ziersträucher deklariert und Zubehör, wie Wärmelampen, Folien und Werkzeug angeboten.

Trugschluss

Diese Hanfläden ließen bei vielen Jugendlichen den Trugschluss zu, dass der Konsum von Cannabis "sowieso legal sei ", kritisiert Haidinger. Tatsächlich dürften Joint und Co vor allem bei Jugendlichen sehr beliebt sein, in diversen Umfragen gaben bis zu 33 Prozent an, schon einmal gekifft zu haben. Rund ein Fünftel aller Drogenanzeigen betrafen Schüler, Lehrlinge und Studenten.

Die Zahl von Festnahmen wegen eines Drogendeliktes betrug im Vorjahr 3667. Bei fast zwei Drittel davon handelte es sich um Ausländer. In der Nationenliste von fremden Tatverdächtigen liegt Nigeria vor Jugoslawien, der Türkei und Deutschland. (simo, DER STANDARD Printausgabe, 16.03.2005)

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    foto: dpaweb/luekert
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