Gemeinden als Teilhaber an Bankfilialen

1. April 2005, 17:31
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Expandierender Volksbanken-Sektor präsentiert Modell gegen Postämter-Schließungen - Bürgermeister sollen großes Interesse zeigen

Wien - Die Volksbanken fahren seit 2001 auf Filialexpansion. Die Gruppe will im Inland in den nächsten zwei Jahren so wie schon 2004 zwischen 5 und 7 neue Bankstellen aufmachen. Aktiv werden wollen die Volksbanker jetzt vor allem auch dort, wo die Post zur Zeit an Postämterschließungen denkt.

Ein neuer Vorschlag der Volksbanken lautet deshalb nun: Gemeinden, Firmenkunden oder Private, denen an der finanziellen oder auch postdienstlichen Nahversorgung in ihrem Ort gelegen ist, sollen sich an "ihrer" Bankfiliale selber beteiligen können.

"Stille Gesellschaft"

Möglich wäre dies in Form einer stillen Beteiligung an einer so genannten "Stillen Gesellschaft", für die das Finanzministerium aber erst wieder Grünes Licht geben müsste. Bis Mitte der 80er Jahre hatte es diese Möglichkeit auch in Österreich schon einmal gegeben. Sparkassen und Raiffeisen stünden dem Modell für ihre jeweiligen Sektoren schon historisch positiv gegenüber. Aber auch die BAWAG P.S.K. - die von den Postamtsschließungen ja auch unmittelbar selber betroffen ist - könnte sich nach Worten von Hans Hofinger, Chef des Volksbanken-Dachverbands ÖGV, solche Lösungen vorstellen.

Hofinger ortet hohes Interesse von Bürgermeistern. Er könnte sich für seinen Sektor vorstellen, pro Jahr bis zu 7 Filialen aufzumachen und Kunden oder Gemeinden an den Filialen zu beteiligen. Mit Finanzstaatssekretär Alfred Finz (V) haben die Volksbanker bereits gesprochen. Er habe versichert, dies nach Nahversorgungs-Gesichtspunkten zu prüfen. In einem Brief ans Finanzministerium Mitte Februar hat Hofinger die Forderung nach "Anerkennung der Anteile eines stillen Gesellschafters im BWG als Eigenmittelbestandteil" auch schriftlich deponiert. Wichtig wäre den Genossenschaftsbankern, dass es bei Kündigung des Geschäftsanteils erst später - frühestens nach zwei Jahren - zur Auszahlung kommt. Es müsste also eine gewisse Auszahlungssperre verankert werden.

Nur an einer Filiale beteiligt

Statt an der gesamten Bank wäre der bankfremde Investor nur an seiner jeweiligen Filiale beteiligt, die ein eigener Rechnungskreis sein müsste. Weil der Anteilseigner nicht nur an Substanz und Gewinn beteiligt wäre, sondern auch am Risiko müssten für diesen Rechnungskreis naturgemäß eigene Kreditgrenzen gelten.

Für die Übernahme von Postdiensten interessieren sich mehrere Bankensektoren - neben den Volksbanken auch Raiffeisen und die Sparkassen. Das spießte sich bis jetzt am Postvertrag. Bei der Übernahme der P.S.K. durch die BAWAG hatte sich die Post verpflichtet, bei Schließungen von Postämtern bis 2012 keine Postgeschäfte an Konkurrenten weiterzugeben. Vor allem Raiffeisen hatte diese Wettbewerbsklausel zuletzt massiv kritisiert.

Das Modell der Volksbanker über die "stille Gesellschaft" könnte nun einen Ausweg aus solchen Vertragsstreitigkeiten bieten, ist man in diesem Verband überzeugt.

2004 sechs neue Filialen eröffnet

"Wir wollen aber auch neue Filialen eröffnen, wo die Post nicht zusperrt", versicherte Hofinger. "Wir machen Filialen auf, während andere Großbanken Standorte zusperren." 2004 haben die Volksbanken 6 neue Bankstellen in Österreich aufgemacht: in Kärnten, der Steiermark, in Oberösterreich und auch in Wien. Heuer und nächstes Jahr ist das ebenfalls geplant.

Seit 2001 wurden rund 25 neue Filialen eröffnet. Heute haben die 66 Volksbanken ("Primärstufe") im Inland 554 Geschäftsstellen mit 4.513 Mitarbeitern. 2001 hatten die Volksbanker ihr Ziel formuliert, bis 2010 um bis zu 100 Filialen in Österreich mehr haben zu wollen. "Selbst wenn wir bis dahin nur 80 neue Filialen erreichen, ist das ein guter Weg", wurde heute erklärt.

Zusammen mit der ÖVAG und Finanztöchtern (darunter die Beteiligung an der Hypo Niederösterreich) hat die Volksbankengruppe in Österreich 611 Geschäftsstellen mit 6.684 Mitarbeitern. (APA)

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    montage: derstandard.at
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