Das Jahr der Entscheidung

19. Mai 2005, 10:49
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Für den freien Browser Firefox stehen harte Zeiten bevor: Das Wachstum verliert an Fahrt, die Sicherheit wird angezweifelt und Microsoft schlägt mit dem neuen Internet Explorer zurück

Nach wie vor surft die Mehrzahl aller User mit Microsofts Internet Explorer im Netz, dennoch sind die Zeiten, in denen nahezu keine Konkurrenz am Browsermarkt für Microsoft in Sicht war, vorbei.

Marktanteile

So erlebte der Open-Source- Browser Firefox seit seinem Erscheinen ein rasantes Wachstum beim Marktanteil. Seit der Freigabe Ende vergangenen Jahres ist die kostenlos erhältliche Software mehr als 20 Millionen Mal heruntergeladen worden. Der Browser wird wegen seiner hohen Geschwindigkeit und seiner einfachen Bedienung gelobt, vor allem aber seine Sicherheit gilt als wichtiger Pluspunkt.

2005: Entscheidung über den Erfolg

Bei allem Enthusiasmus stehen Firefox aber harte Monate bevor, die Entscheidung über den nachhaltigen Erfolg dürfte im Jahr 2005 fallen.

Bewährungsproben

Dem Browser, der von der gemeinnützigen Mozilla-Foundation und zahlreichen freien Programmiern entwickelt wird, stehen einige Bewährungsproben bevor. Nicht nur wurden die für das Projekt wichtigen Programmierer Ben Goodger und Darin Fisher von der Suchmaschine Google abgeworben, auch der Mike Connor findet in seinem Blog Grund zur Klage. Er sei der einzige, der noch Korrekturleser für den Firefox-Code arbeite, das könnte zu Problemen bei der Weiterentwicklung des Programms führen: "Ich sehe nicht, wie die ambitionierten Pläne für die neue Version 2.0 vor Ende 2006 durchführbar sein sollen."

Sicherheit

Auch in Sachen Sicherheit könnte Firefox seinem Ruf als Musterschüler bald nicht mehr gerecht werden. Symantec-CEO John Thompson erklärte etwa, dass Anti-Virenexperten damit rechnen, dass eine steigende Verbreitung von Open Source auch einen Anstieg der Angriffe und Schädlinge bedeuten würde. "Es gibt die Auffassung, dass Firefox als Open-Source-Produkt sicherer ist, aber der Browser hat genauso viele Schwachstellen wie andere Produkte - wenn nicht sogar mehr", geht John Donovan von Symantec Australien noch einen Schritt weiter.

Mitchell Baker, Präsidentin der Mozilla Foundation lässt sich zwar dadurch nicht verunsichern. "Auch die steigende Popularität des Webbrowsers Firefox würde nicht zu annähernd so vielen Sicherheitsproblemen führen, wie sie Microsoft mit seinem Internet Explorer hat" (Der WebStandard berichtete).
Dennoch mussten in der neuesten Version des Browsers drei Sicherheitslücken geschlossen werden.

Neue Version des Internet-Explorers

Schließlich ist auch der übermächtige Browser-Konkurrent Microsoft nicht untätig. Wohl nicht zuletzt durch die ungewohnt heftige Konkurrenz kündigte Microsoft-Gründer Bill Gates eine neue Version des Internet-Explorers (IE) an. Der IE 7 mit dem Codenamen "Rincon" soll wie berichtet nun auch – wie Firefox - tabbed browsing unterstützen. Zusätzlich soll er 32 Bit-PNGs und damit auch transparente Bildbereiche darstellen und CSS 2 (Cascading Style Sheets) interpretieren können. Auch sollen Websites mit internationalisierte Domain-Namen (IDN) tadellos angesurft werden können. Auch plant Microsoft seinen Browser mit einem integrierten RSS-Reader auszustatten. Vor allem sollen aber bei der Sicherheit große Verbesserungen erreicht werden.

Wie geht es weiter?

Auch die Frage, ob dem Wachstums des freien Browser nicht bald eine Ende bevorsteht, steht im Raum. Zwar steigen die Marktanteil von Firefox nach wie vor, allerdings nicht mehr in dem Ausmaß, wie es noch zu Beginn der Fall war. Skeptiker sehen hier schon die Grenzen des Wachstums. Die so genannten "Early Adopters" sind bereits zur Firefox übergewechselt, Analysten der Firma Gartner zu folge handelt es sich dabei aber vor allem um Privatpersonen, berichtet der Spiegel Online. Gerade im Business-Segment sei Microsofts Internet Explorer nach wie vor überlegen.(red)

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