Achten Sie auf die Marke!

25. März 2005, 12:35
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Die Marke "KHG" verliert durch die jüngsten Fotos aus dem bunten Privatleben des Finanzministers an "Premiumqualität"

Die Marke "KHG" hat für MeinungsforscherInnen durch die jüngsten Fotos aus dem bunten Privatleben von Finanzminister Karl-Heinz Grasser an "Premiumqualität" verloren. Vor allem Frauen und die wertkonservative ÖVP-Klientel reagieren mit Vertrauensentzug.

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Wien – So ein "KHG"-Button macht schon was her. Vorzugsweise am Revers eines Tommy Hilfiger-Sakkos, jener Marke, von der sich Finanzminister Karl-Heinz Grasser alias "KHG", gerne gratis einkleiden lässt.

Galten die Anstecknadeln Anfang 2003 als Inbegriff der ministeriellen Selbstinszenierung, hat die Marke "KHG", die Grasser zwecks geschmeidiger Polit-Performance für sich gewählt hat, für MeinungsforscherInnen seither einiges an "Premiumqualität" eingebüßt. Werner Beutelmeyer vom Market-Institut wertet die jüngsten Fotos, die den Finanzminister beim Zärtlichkeitenaustausch mit Kristallerbin Fiona Swarovski am Pariser Flughafen zeigen, als neuerlichen "Glaubwürdigkeits- und Vertrauensverlust" der Marke "KHG".

Dabei hat die schon bisher einen eindruckvollen Sturzflug hingelegt: Während im Jahr 2003 noch 45 Prozent der ÖsterreicherInnen dem Finanzminister ihr Vertrauen aussprachen, sehen diese Werte nach Homepage-, Upgrade- und Frauengeschichten völlig anders aus: 17 Prozent halten Karl-Heinz Grasser für nicht vertrauenswürdig – dabei gilt genau dieser Faktor PolitikbeobachterInnen als wesentliches Karrierefundament. "Die Leute empfinden das als ,nicht die feine Art‘", sagt OGM-Chef Wolfgang Bachmayer. Die Reaktion auf die Kussfotos laute "das gehört sich nicht, so etwas tut man nicht".

Besonders unter Frauen löse das Verhalten Grassers – hier die Turteleien mit Fiona Swarovski, dort die Noch-Immer-Verlobte Nathalia Corrales-Diez – negative Konnotationen aus. Frauen würden sich Loyalität zur Partnerin erwarten – auch von Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens, wie Grasser. Aber auch bei der wertkonservativen ÖVP könnte das Image des Finanzministers weiteren Schaden erleiden, sagt Imma Palme von Ifes: "Man hat das ja erlebt, wie es Klestil ergangen ist mit seiner Scheidung und Wiederverheiratung. Das sind Dinge, die in der ÖVP keineswegs so akzeptiert sind, wie in der Gesellschaft."

Politische Konsequenzen drohen Grasser dennoch nicht, sagt Bachmayer; er könne die jüngste Krise genauso "aussitzen", wie einst Kanzler Wolfgang Schüssel seinen "Sau-Sager" in Richtung Ex-Notenbankpräsident Hans Tietmayer. Das Problem Grassers sei jedoch, "das sich solche Dinge bei ihm fast nahtlos aneinander reihen". Und dennoch glaubt der OGM-Forscher: Bei weniger "buntem" Privatleben und mehr inhaltlicher Politik könnte sich die Marke "KHG" wieder erfangen, "wenn er auch die Höhen vergangener Tage nicht mehr erreichen wird".

Was dem Finanzminister jetzt helfe, sei die Solidarität seiner Verlobten nach "Vorbild von Hillary Clinton", sagt Palme. Nur durch Ruhe in seinem Privatleben könnte der Absturz der Grasser'schen Imagewerte aufgehalten werden. Hohe Aufmerksamkeitswerte seien zwar immer gut, findet auch Beutelmeyer, aber die "Skandalaufmerksamkeit" Karl-Heinz Grassers entwickle sich zu einer "problematischen Angelegenheit".

Und tatsächlich: Sieht man sich das Image der Politiker an, ist der Vertrauensverlust ein allgemeines, alle betreffendes Phänomen. Während sich aber SP-Chef Alfred Gusenbauer oder Bundeskanzler Wolfgang Schüssel auf niedrigem Niveau einzupendeln scheinen, geht die Marke "KHG" weiter flott hinunter. (Karin Moser/DER STANDARD, Printausgabe, 25.3.2005)

  • Der Anstrich der Marke "KHG" hat nach Homepage-, Upgrade-und Frauengeschichten einige Kleckse bekommen.
    foto: urban
    Der Anstrich der Marke "KHG" hat nach Homepage-, Upgrade-und Frauengeschichten einige Kleckse bekommen.
  • Infografik: Der Absturz der Marke "KHG"
    Infografik: Der Absturz der Marke "KHG"
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