Hoch die Leitung

9. Mai 2005, 14:26
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Das Burgenland und die Steiermark geben grünes Licht für die Stromautobahn - Ein Kommentar von Günther Strobl

Es gibt Schöneres als Strommasten, die auf weit ausladenden Armen tonnenschwere Drähte tragen. Es gibt aber Konstellationen, da kommt man um eine derartige Leitung nicht herum. So eine Konstellation ist in Österreich gegeben.

Die Geografie des Landes bringt es mit sich, dass die Stromproduktion hauptsächlich im Norden in den Laufkraftwerken entlang der Donau stattfindet. Die Topografie des Landes bringt es mit sich, dass Windenergie hauptsächlich in Niederösterreich und dem Burgenland geerntet werden kann. Also wieder - von Wien aus gesehen - diesseits des Semmerings.

Steigenden Strombedarf gibt es aber jenseits des Semmerings, wo Unternehmen im Umfeld des Autoclusters Graz schön langsam zu zittern beginnen. Weil Kohlekraftwerke wie Voitsberg oder Zeltweg aus Umwelt-, Rentabilitäts- und Altersgründen stillgelegt werden, droht ihnen der Saft auszugehen. Zwar ist ein neues Gaskombikraftwerk des Verbunds bei Graz in Planung; das allein wird aber den steigenden Stromhunger der Unternehmen in der Steiermark nicht stillen können. Das jüngste Blackout in Graz, das einen halbstündigen Stillstand der Straßenbahnen, O-Busse, Aufzüge und sonstigen Stromfresser zur Folge hatte, ist ein Vorgeschmack dessen, was uns allen in Zukunft blühen könnte. Wenn der Süden leitungsmäßig nicht besser an den Norden Österreichs angebunden wird.

Ein Hoch also den Behörden im Burgenland und in der Steiermark, die nach mehr als 20-jähriger Diskussion mit einem positiven Umweltbescheid die Weichen gestellt haben, damit die Hochspannungsleitung auch hoch gehängt werden kann. Bei der Mastenwahl sollten sich die hiesigen Stromer von den Franzosen beraten lassen. Die zeigen seit Langem, dass man Masten durchaus skulpturalen Charakter verleihen kann. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 25.3.2005)

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