Feinstaub-Alarm: Grenzwerte in ganz Österreich überschritten

4. Mai 2005, 17:19
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Bei 30 Überschreitungen im Jahr müssen Maßnahmen gesetzt werden - Grüne kündigen bundesweite Kampagne an

Wien - Die Grünen schlagen wegen der Feinstaubbelastung in Österreich Alarm und haben eine bundesweite Kampagne angekündigt, um die Bevölkerung über diesbezügliche gesundheitlichen Risiken aufzuklären.

"Die Feinstaubelastung hat in den vergangenen Wochen in ganz Österreich ein Besorgnis erregendes Ausmaß angenommen. In allen Bundesländern gab es teilweise horrende und anhaltende Grenzwertüberschreitungen", erklärte die Umweltsprecherin der Partei, Eva Glawischnig, am Donnerstag in einer Pressekonferenz.

Maßnahmen bei 30 Überschreitungen im Jahr

Gemäß einer entsprechenden EU-Richtlinie darf der Tagesmittelwert von 50 Mikrogramm Feinstaub pro Kubikmeter Luft höchsten an 30 Tage in einem Kalenderjahr überschritten werden. Wird der Grenzwert an mehr Tagen bei einer Messstelle verletzt, müssen die Bundesländer Maßnahmen ergreifen.

In Steiermark und Tirol gab es schon mehr als 30 Überschreitungen

"Obwohl das Jahr erst drei Monate alt ist, ist in einigen Bundesländern - zum Beispiel Steiermark und Tirol - das Feinstaubkontingent bereits ausgeschöpft, andere stehen knapp davor", so Glawischnig. In praktisch allen Landeshauptstädten und Ballungsräumen seien die Mittelwerte an bestimmten Tagen überschritten worden, punktuell sogar um bis auf das Neunfache des Erlaubten.

Hotspots: Graz, Innsbruck, Klagenfurt und Wien

Als "Hotspots" der Feinstaubbelastung in den vergangenen Wochen nannte die Umweltsprecherin unter anderem Graz, Innsbruck, Klagenfurt und Wien. In der steirischen Landeshauptstadt wurden die 50 Mikrogramm Tagesmittel heuer bereits an 54 Tagen, in der Tiroler an 41 und in Kärnten an ungefähr 35 Tagen überschritten. In Wien wurden 2005 schon an mehr als 20 Tagen eine überhöhte PM 10-Belastung erhoben.

Vorwürfe an Umweltminister Josef Pröll

Umweltminister Josef Pröll (V) und den Landeshauptleuten wirft Glawischnig chronische Untätigkeit in Sachen Feinstaub vor, zumal abzusehen seien, dass heuer in allen Bundesländern der Jahresgrenzwert verletzt werde. Die Verantwortung würde seit Jahren hin und her geschoben. Das Einzige, was der ÖVP zu dem Thema einfalle, sei es durch eine Lockerung der Grenzwerte unter den Teppich zu kehren, so die Grüne Politikerin.

Auswirkungen auf den Organismus

Direkte gesundheitliche Auswirkungen auf den Organismus sind durch Feinstaub nicht nachgewiesen, wohl aber gilt er als "Förderfaktor": Die Belastung schädige mittelfristig die Lungenselbstreinigung und begünstige die Entzündungsbereitschaft.

Für Glawischnig stellt Feinstaub-belastete Luft eine gravierende Gesundheitsgefahr dar. Zahlreiche Untersuchungen hätten gezeigt, dass Feinstaub schwere Schäden und das Ansteigen der Sterblichkeitsrate durch Herz-Kreislauterkrankungen und Lungenkrebs verursachen würden. Vor allem Kinder und Risikogruppen und ältere Menschen seien besonders betroffen, heißt es von den Grünen.

Verkürzte Lebenserwartung von vier bis sechs Jahren

Ein Bericht der EU-Kommission stellte fest, dass im Jahr 2000 in Österreich 4.600 frühzeitige Todesfälle durch Feinstaub zu verzeichnen wahren. Die durchschnittliche Lebenserwartung der Österreicher verkürze sich auf Grund der PM 10-Belastung demnach um vier bis sechs Jahre. (APA)

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