Musikrundschau: Zwischen intelligenter Trauer und schwebender Nettigkeit

24. März 2005, 17:53
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Neue Alben mit jazzigem Tango von Dino Saluzzi und poppig-schwebenden Nummern von Rebekka Bakken

DINO SALUZZI
Senderos
(ECM/Lotus)
Vom Sprachrohr der Melancholie, dem Bandoneon, erwartet man nicht unbedingt, in den Dialog mit einem Schlagzeug einzutreten. Andererseits: Dino Saluzzi ist ein Musikerzähler, der sich intelligent von den hübschen Tangoklischees freizuspielen versteht. Seine substanzvollen Elegien durchdringt das Wissen um die Möglichkeiten jazziger Linearität. Seine schwerelosen Rhapsodien sind keine Dienstleistung an Nostalgiebedürfnisse, eher Ausdruck eines Kunstwollens auf der Basis anspruchsvollen Materials, das improvisatorisch paraphrasiert wird. So fusioniert seine Stimme mit den Schlagwerkertupfern von Jon Christensen zu wunderbaren Minimonodramen, in denen rubatoselig mit der Zeit gespielt wird. Kamingespräche, Schwermut zwischen Innehalten und verinnerlichter Verzückung.

REBEKKA BAKKEN
Is That You?
(Universal)
Mit tief dekolletierten Kleidern und einer Sonderportion Schminke hat sie es nun auch bis in die Welt der Illustrierten geschafft. Man spürt, Rebekka Bakken ist gewillt, auf verlockende Kunstfigur gestylt, die Gesetze des Pop-Marketings zum Zwecke der maximierenden Publikumsweitung einzusetzen. Damit lässt sich kompensieren, dass ihre Neuheit ein Hauch des Belanglosen durchweht. Die poppig-schwebenden Nummern wandern angenehm durchs Ohr und wieder heraus, ohne Spuren zu hinterlassen wie das Vorgängerprodukt "The Art Of How To Fall". Für den breiten, wenig anspruchsvollen Popmarkt ist das Produkt eine ideale Hintergrundtapete. Immerhin, das folkloristisch angehauchte "So ro": Da findet die eigentlich immer noch eine Identität suchende Stimme zu sich selbst.
(DER STANDARD, Print-Ausgabe, 25.3.2005)

Von
Ljubisa Tosic

  • Rebekka Bakken Is That You?  (Universal)
    foto: universal

    Rebekka Bakken
    Is That You?
    (Universal)

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