Sohl-Seduction

28. Juli 2005, 12:35
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Mit der Entwicklung der "atmenden Schuhe" begann die Erfolgsgeschichte des italienischen Schuhproduzenten Geox. Nun gibt's einen neuen Store in Wien

Anfang März eröffnete in Wien (Kärntner Straße 14) der zweite Geox-Laden der Bundeshauptstadt. Es ist dies das fünfte Monomarken-Geschäft des italienischen Schuhproduzenten in Österreich. Weitere Geschäftseröffnungen, etwa in Salzburg, seien nicht ausgeschlossen, meint Unternehmensgründer Mario Moretti Polegato. "Wir sind am weltweiten Komfortschuhmarkt nach Clarks, Timberland und Ecco bereits Nummer vier. Und wollen zur Nummer eins avancieren."

Wachstum sei natürlich auch mit einer Stärkung der Vertriebsstruktur verbunden. Während in Italien Geox-Schuhe größtenteils über Monomarken-Geschäfte verkauft werden, erfolgt der Hauptvertrieb im Ausland über den Facheinzelhandel. In Österreich gibt es rund 350 Verkaufsstellen, die den "Schuh, der atmet" (so der Werbeslogan) anbieten.

Neun Millionen Paar Schuhe

Im Vorjahr stellte das in Montebelluno (Veneto) ansässige Unternehmen neun Millionen Paar Schuhe her und beschäftigte 5000 Arbeitnehmer. 50 Prozent der Produktion werden in Italien selbst abgesetzt. Der Auslandsanteil soll laut Polegato in den kommenden Jahren auf 70 Prozent wachsen. "Der Bedarf an Komfort-, aber auch an Sportschuhen nimmt zu", meint Moretti Polegato.

Nach dem durchschlagenden Erfolg des Börsengangs im Vorjahr - der Schuhhersteller ist inzwischen 1,5 Mrd. Euro wert - hat Moretti Polegato nun genügend Mittel für Investitionen. Trotzdem erwarten Analysten eine Wachstumsverlangsamung. "Wir sind kein eigentliches Schuh-, sondern ein Technologieunternehmen", widerlegt der Unternehmer die Befürchtungen mancher Finanzexperten. "Als Technologieunternehmen haben wir noch ein unbeschränktes Wachstumspotenzial." Schließlich hat "Erfinder" Polegato nicht nur seine "atmenden" Schuhe patentieren lassen, sondern stellt inzwischen auch "respirierende" Jacken und Mäntel her.

Vom Weinbauern zum Technologieunternehmer

Wie aus einem norditalienischen Weinbauern ein globaler Schuh- bzw. Technologieunternehmer wurde: Das ist die Geschichte von Geox. Und die begann in den Rocky Mountains. Vor vielen Jahren, als der junge Weinbauer dort eine Trekking-Tour unternahm, schwitzten seine Füße und schmerzten. "Es war unerträglich", erinnerte sich Polegato und berichtet, wie er sich auf einen Stein zum Ausruhen setzte. Da sei ihm plötzlich die Erleuchtung gekommen, die ihm später Milliarden Euro einbringen sollte. Er zuckte sein Taschenmesser und bohrte kleine Löcher in seine durchgeschwitzten Turnschuhe. Durch die Entlüftung zog der Schweiß ab, die Schmerzen ließen nach.

"Damals wusste ich: Die Ära der Schweißfüße ist zu Ende, meine Mission hat begonnen. Ich werde die Welt verändern." Sein genialer Einfall ließ Polegato keine Ruhe. Wieder zu Hause in Montebelluno, versuchte er, seine Idee an den Mann zu bringen und lief - ohne Erfolg - von Pontius zu Pilatus. Dann handelte der Sohn eines Winzers auf eigene Faust: Er suchte nach einer speziellen Membran, die Fußschweiß abführen und gleichzeitig den Eintritt von Regenwasser in den Schuh verhindern sollte. In den USA wurde schließlich eine entsprechende Mikrofasermembran erfunden, die nun in sämtlichen Geox-Schuhen zu finden ist.

Polegato logiert heute in einer venezianischen Renaissance-Villa mit Barockmöbeln und Murano-Leuchter. Von dort aus regiert er sein Unternehmen und fühlt sich als geborener Leader. 500 Beschäftigte, zum Großteil Ingenieure und Designer, sind im Hauptquartier im Veneto für Forschung, Entwicklung und Design zuständig.

Geox-Aufnahme in das Blue-Chip-Segment

Mit einer Börsenkapitalisierung von 1,5 Mrd. Euro wurde Geox in das Blue-Chip-Segment der Mailander Börse aufgenommen, das Unternehmen ist neben Tod's der einzige Schuhhersteller, der am Mailander Finanzmarkt gehandelt wird. Das Wachstum betrug in den vergangenen drei Jahren im Schnitt 30 Prozent und soll im gleichen Rhythmus fortgesetzt werden. "Bei Bekleidung, die derzeit erst fünf Prozent des Umsatzes ausmacht, erwarten wir Wachstumsraten von 60 Prozent."

Als potenzielle Gefahr könnten sich die Wechselkurse herausstellen, nämlich dann, wenn der Schuhhersteller seine Absichten wahr macht und die Exporte (bislang nur 37 Prozent des Umsatzes) erhöhen und vor allem in den USA und Asien expandieren wird.
(Der Standard/rondo/25/03/2005)

Von Thesy Kness-Bastaroli
  • Der neue Store auf der Kärntner Straße
    foto: geox

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  • Teile der aktuellen Geox-Schuh-Kollektion...
    foto: geox

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