Paparazzi, höflichkeitshalber

18. Mai 2005, 08:58
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Textilhaus "Triumph" vergab Einwegkameras und bat mehrmals und dezidiert schmale Stoffbahnen am Objekt abzulichten

Vielleicht hätte Karl-Heinz Grasser ja ein Christl Stürmer-Konzert besuchen sollen. Dann wüsste er, dass heute kein Fünfjähriger mehr ohne Fotohandy unterwegs ist - und er hätte besser aufgepasst. Doch der moderne Paparazzo ist nicht bloß das Kind nebenan, sondern kann jeder sein. Etwa der Strafverteidiger Manfred Ainedter oder der Großbäcker Kurt Mann. Nur knipsen solche Kaliber natürlich nur dann, wenn sie darum gebeten werden. Mehrmals und dezidiert.

Denn ohne die wiederholte Bitte - und die Vergabe von Einwegkameras an die wenigen nicht ohnehin fotografisch ausgerüsteten Herren in den und rund um die besten Jahre - käme kein Besucher einer Unterwäschemodeschau auf die Idee, wie ein Besessener schmale Stoffbahnen am schlanken Objekt abzulichten.

Und so war man sich Dienstagabend in den Rosenhügelstudios einig, natürlich nur aus Höflichkeit gegenüber dem Gastgeber - dem Textilhaus "Triumph" -, Speicherkarte um Speicherkarte zu füllen. Und der Schweiß auf mancher Stirn kam nur vom pflichtschuldig-höflichen Drängeln. Bestimmt. (Printausgabe, 24.3.2005)

  • Drängeln, gaffen, knipsen - nur aus Höflichkeit: Triumph-Paparazzi-Training für Nichtvoyeure
    foto: rottenberg

    Drängeln, gaffen, knipsen - nur aus Höflichkeit: Triumph-Paparazzi-Training für Nichtvoyeure

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