Von wegen krankes Gesundheitssystem ...

20. April 2005, 16:12
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Das aktuelle Buch Martin Rümmele: "Kranke Geschäfte mit unserer Gesundheit"

Dass das österreichische Gesundheitssystem dermaßen moribund sei, wie es ihm Politiker und Lobbyisten zur Rechtfertigung höherer Kassenbeiträge immer wieder öffentlich attestieren, ist nach Martin Rümmeles Analyse eine manipulative Fehldiagnose. Eine, die die wahren Symptome der verdauten und noch zu schluckenden Gesundheitsreformen negiert und deren Nebenwirkungen verschleiert.

In seinem Buch vergleicht der Gesundheitsjournalist (Wirtschaftsblatt) die Entwicklung von Österreichs Wirtschaft und Gesundheitssystem und stellt sie in einen internationalen Kontext. Das Ergebnis: Die vermeintliche Kostenexplosion im heimischen Gesundheitssystem sei ein Märchen, allenfalls gebe es eine Leistungsexplosion. Das Gesundheitssystem sei die größte und leistungsfähigste Wirtschaftsbranche. Allein - es leide an einer chronischen Krankheit, gegen deren Therapie sich die daran bereichernden Gruppen (die zählt Rümmele auch alle auf) erfolgreich zur Wehr setzen: Wofür das Geld ausgegeben und wie viel verbraucht und verschwendet wird, wisse niemand.

Zudem werde das umsatzstarke Gesundheitssystem auf US-Verhältnisse zugeschnitten: Der Staat zieht sich aus der Versorgung zurück, Eigenverantwortung, Privatisierung und Wettbewerb sollen gesunde Geschäfte garantieren. In Deutschland gehörten bereits 20 Prozent aller öffentlichen Spitälern privaten Konzernen, die zunehmend auch in Österreich Fuß fassten. Rümmele stellt die Akteure in diesem Privatisierungskarussell vor, deckt deren Pläne und Netzwerke auf und zeigt die Auswirkungen auf Patienten.

Für einige ein Schlag ins Gesicht, für viele eine verständlich geschriebene Antwort auf politisch abgeblockte Fragen. (DER STANDARD, Printausgabe, 24.03.2005)

Von
Andreas Feiertag
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    Niederösterreichisches Pressehaus, St. Pölten 2005
    222 Seiten, 19,90 Euro

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