Nanny macht's gut

11. Mai 2005, 22:31
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Zweifellos haben "Die Supernannys" auf ATVplus Potenzial, ähnlich gute Quoten einzufahren wie "Tausche Familie"

Der Bub erinnert - sehr entfernt - an Linda Blair in William Friedkins "Der Exorzist". Er schreit, schimpft, schmeißt sich auf den Boden, schmeißt Coladosen - eindeutig besessen. Die liebe Mama: "Ich kann nicht mehr." Ein Fall für die Supernanny.

RTL hat es vorgemacht, jetzt versucht sich auch ATV+. Zweifellos haben "Die Supernannys" Potenzial, ähnlich gute Quoten einzufahren wie das Erfolgsformat des Privatsenders "Tausche Familie".

Die Voraussetzungen sind günstig, denn hier werden mehrfach Publikumsgelüste bedient. Freuen dürfte sich etwa jene Mehrheit, die einen solchen Rabauken nicht ihr Eigen nennen muss.

Trotzdem kennt jeder solche Situationen - selbstverständlich nur vom Hörensagen. Da lässt sich's gut urteilen: Gleich einem Suchrätsel lassen sich Gegebenheiten vergleichen mit der Schablone der heilen Familienwelt: Essen vorm Fernseher? Pfui! Der Bub hat nicht einmal ein eigenes Zimmer? Schlimm, sehr schlimm. Und er spielt Computerspiele, die erst ab 16 erlaubt sind? Jetzt ist endgültig alles klar: Das Kind braucht Liebe, und schon wird alles gut.

Schuld ist schnell zugewiesen, da hält sich auch eine Supernanny keineswegs zurück. Wie aber mag sich ein tobendes Kind fühlen, wenn es die Fernsehkamera auf sich gerichtet sieht?

Der ORF wiederholt demnächst zum x-ten Mal die US-Sitcom "Die Nanny" mit dem hysterischen Kindermädchen Fran Drescher. Wer nach einer Alternative sucht, ist damit bestimmt besser bedient. (prie/DER STANDARD; Printausgabe, 24.3.2005)

  • "Die Supernannys" auf ATVplus
    foto: atvplus

    "Die Supernannys" auf ATVplus

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