Die Kaufkraft kommt aus Amerika

31. März 2005, 13:55
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Adolph von Menzel als Star des 14. Pariser Salon du Dessin

Paris - Zum 14. Mal fand die exklusive Handzeichnungsmesse Salon du Dessin in Paris statt. Vom 16.-21. 3. boten 30 Galeristen (davon 15 Händler aus Europa und den USA) im klassizistischen Gebäude der ehemaligen Börse Handzeichnungen und Aquarelle aus dem 16.-20. Jahrhundert an. Ein breit gefächertes, hochqualitatives Sortiment, das internationale Sammler und Museumskuratoren aus aller Welt anzog, die insbesondere an den beiden ersten Messetagen Kaufkraft und Entscheidungsfreude bewiesen. "Die US-Kuratoren kommen mit konkreten budgetären Mitteln ausgestattet, können also direkt kaufen", erklärt Thomas Le Claire aus Hamburg, der u.a. eine naturgetreue Kohlkopf-Skizze von François Boucher für 50.000 Euro an ein Museum nach Los Angeles abgab.

Auch britische Museen komplettierten ihre Sammlungen an mehreren Ständen. Serge Lemoine, Direktor des Pariser Musée d'Orsay, der aus Anlass des Salon du Dessin einen permanenten Saal für Handzeichnungen eröffnete, erstand bei Patrick Derom (Brüssel) ein Selbstporträt von Léon Spillaert aus dem Jahre 1903.

Ein abstrahierendes Stillleben von Fernand Léger war bei Derom sofort verkauft. Für ein weiteres der schönsten und zugleich teuersten Blätter der Messe, nämlich ein Aquarell von Gustav Moreau, Andromeda von 1882, das Derom mit 750.000 Euro ansetzt, fand sich jedoch noch kein Käufer.

Als genereller Trend des heurigen Salons konstatiert man, dass Werke von 2500 bis maximal 100.000 Euro umgesetzt wurden, aber "kaum große Stücke", wie alle Aussteller übereinstimmend berichten. Colnaghi-Bellinger (London/ München) verkaufte als teuerstes Blatt einen Lautenspieler von Girolamo da Treviso für 95.000 Euro.

Arnoldi-Livie (München) war der erfolgreichste Galerist dieser Messe: Er gab zwei Zeichnungen Adolph von Menzels (dem Star des heurigen Salon du Dessin) für je 42.000 Euro ab, ein großes Blatt von Johann Christian Reinhart von 1818, Im Park des Palazzo Chigi, für 38.000 Euro, ein Ernst-Ludwig-Kirchner-Blatt, Fränzi und Marzella im Atelier von 1909/10 für 42.000 Euro, einen weiblichen Akt von Otto Dix von 1926 für 24.000 Euro.

C. G. Boerner (New York), der in Maastricht unter Artemis ausstellte, schnitt ebenso bescheiden ab wie der Erstaussteller Martin Moeller (Hamburg) oder Day & Faber (London) - trotz des fabelhaften Angebots der Engländer.
(DER STANDARD, Print-Ausgabe, 24.3.2005)

Von
Olga Grimm-Weissert
  • Gustave Moreau (1826-1898), "Andromeda" 
(um 1882), Wasserfarben auf Papier, 
280x230 Millimeter.
    foto: patrick derom gallery

    Gustave Moreau (1826-1898), "Andromeda" (um 1882), Wasserfarben auf Papier, 280x230 Millimeter.

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