Eine Prinzessin der Kunstmessen

31. März 2005, 13:55
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Kecke Vergleiche zu internationalen Veranstaltungen: 30-jähriges Messejubiläum in Salzburg

Wie man das 30-jährige Messejubiläum in Salzburg zelebriert? Mit Dominanz angewandter Kunst, mehr Ausstellern aus Deutschland und mit kecken Vergleichen zu internationalen Veranstaltungen.


Salzburg - Wenn die Tefaf in Maastricht die Königin aller Kunstmessen ist, dann ist die Residenz Messe für Kunst und Antiquitäten in Salzburg die Prinzessin. Diese doch etwas gewagte Analogie gab Thomas Salis anlässlich der Eröffnung zum Besten. Bedingt durch kurzfristig aufeinander folgende Teilnahmen in Köln und Maastricht pausiert der Salzburger Galerist heuer in der erzbischöflichen Residenz. Die Chronik beider Messen reicht - als eine der wenigen Gemeinsamkeiten - in die 70er zurück: 1975 fand in Maastricht die erste, auf Altmeister spezialisierte Veranstaltung (Pictura Fine Art Fair) statt, 1978 die um das Antiquitätensegment erweiterte Antiqua mit 42 Teilnehmern.

Die erste Residenz Messe für Kunst und Antiquitäten wurde 1978 veranstaltet, seit damals zählte der Organisator an die 500.000 Besucher. Die Tefaf wird hingegen 2006 den Einmillionsten empfangen. Überhaupt streute Thomas Salis Rosen. Einen silbernen Bären gestand er Uwe Dobler (Augsburg) zu, Schlapka (München) einen goldenen Stier - für die an das Hofmobiliendepot erinnernde Standgestaltung mit Biedermeiersesseln in Schauregalen.

Prinzipiell werden die deutschen Teilnehmer besonders hofiert. Hier hat allerdings die Marktentwicklung die Hand im Spiel. Denn den roten Teppich akzeptiert der Kunsthandel aus dem Nachbarland wohl erst seitdem die Verkaufszahlen auf dem deutschen Markt in den Keller rasselten. Noch vor zehn Jahren kam kein einziger Teilnehmer aus Deutschland. Von den Ausstellern 1995 sind diesmal noch 14 vertreten - die meisten Abgänge gilt es im Bereich bildender Kunst zu verzeichnen. Das wird dort überdeutlich, wo die ehemalige Bandbreite auf ein erträgliches Minimum reduziert wurde.

Zu den Stammausstellern gehört Monika Katzenmayer (Antikes & Dekoratives, Feldkirch): Nur zehn Minuten nach Eröffnung der Messe konnte sie den ersten Verkauf vermelden, das aus einer Gastwirtschaft stammende Innerschweizer Birnenholz-Buffet von 1680. Zwischen Renaissance- und Barock-Türklopfern (ab 530 €), einem Grödener Reisehausaltar von 1720/ 1730 (1200 €) und Schweizer Weinkannen des 17. Jahrhunderts (ab 2200 €) entdecken Insider hier allerdings einen anderen Blickfang:

Das von Erasmus Kern (1592-1652) gefertigte Tödlein. Solche Memento Mori durften in keiner Wunderkammer fehlen und es ist dies das Erste seiner Art, das Katzenmayer in ihrer 40-jährigen Berufslaufbahn ergattern konnte (30.000 €).

Überhaupt schien angewandte Kunst zu Beginn besonders gefragt: D&S Antiquitäten (Wien) trennte sich en bloc von 21 Ranftbechern aus der Werkstatt Anton Kothgassers sowie von der Bilderuhr Ansicht bei Traunkirchen (25.000 €). Von Patrick Kovacs (Wien) aus tritt ein Hoffmann-Stuhl die Reise nach Vorarlberg an und die Galerie bei der Albertina reichte ein Glasservice von Koloman Moser ins Ausland weiter.

Bei Senger (Bamberg) wechselten zum Auftakt der Messe zwei Madonnen und ein Hinterglasbild den Besitzer. Zu den Verkäufen im Bereich bildender Kunst gehören: Eugen von Blaas' Karneval in Venedig und eine der Schnitter-Versionen von Egger-Lienz (Giese & Schweiger), Anton Mahringers Dunkle Wolken über dem Dobratsch (Wienerroither & Kohlbacher) sowie Zeitgenössisches; Tom Sachs Hase fand in New York eine neue Heimat und für Andy Warhols Beuys fand sich ein Käufer aus Wien (Rudolf Budja, Wien).
(DER STANDARD, Print-Ausgabe, 24.3.2005)

Von
Olga Kronsteiner

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  • Residenz-Messe Salzburg: Ferdinand Brunners "Motiv aus dem Burgenland" wartet für 68.000 Euro bei Giese & Schweiger (Wien).
    foto: giese & schweiger

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