Im sonnigen Land der "Dazugehören­woller" - Peter Simonischek im Interview

11. Mai 2005, 22:06
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"Die Villen der Frau Hürsch": Der Burgschauspieler über trübe Gewässer und grunzende Ausseer

Als Chefredakteur Daniel Käfer verirrt sich Peter Simonischek am Ostermontag in "Die Villen der Frau Hürsch", dem neuen Krimi von Alfred Komarek. Dem STANDARD erzählte er von trüben Gewässern und grunzenden Ausseern.

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STANDARD: Regisseur Julian Pölsler erzählt, er erhalte neuerdings Mails von Ihnen mit der Unterschrift "Peter Daniel Käferschek". Verschmelzen Sie mit der Rolle?

Peter Simonischek: Zufälligerweise war mein allererstes Auto wie im Film eine Ente mit dem obligatorischen "Atomkraft? Nein, danke!"-Pickerl. Natürlich hat Daniel Käfer eine gewisse Kongruenz mit meinem Leben. Er kommt mir auf halbem Weg entgegen.

STANDARD: Welche Erfahrungen haben Sie mit den Ausseern gemacht?

Simonischek: Keine schlechten. Ich mag die Reserviertheit und das Schweigsame sehr. Ich empfinde es im Gegenteil als sehr beredt. Es drückt sich halt mehr in Grunzen, in Blicken und in Pausen aus. Für mich als Schauspieler sehr attraktiv. Ich mag diese Art der Verweigerung.

STANDARD: Sie fischen im Film ganz schön im Trüben. Ist Ihr "Tauchgang" im Altausseer See so zu verstehen?

Simonischek: Ich glaube, das hat etwas mit Tiefenpsychologie zu tun. Wasser steht für Erinnerung, das Eintauchen in die Kindheit. Wobei mich erstaunte, wie klar der Altausseer See ist. Normalerweise ist es im Süßwasser unter vier Metern zappenduster. Im Traunsee etwa: stockfinster.

STANDARD: Warum hat das Ausseerland diese Anziehung auf Künstler und Intellektuelle?

Simonischek: Interessant, nicht wahr? Von überall kommen sie her, auch aus der Wirtschaft oder der Politik, die passionierten Lederhosenträger und Dazugehörenwoller. Beim Ausseer Kirtag gibt es sogar einen "Wiener Tag", reserviert für die Gäste aus Wien. Ich kann es mir offen gestanden nicht erklären.

STANDARD: Wieder ein österreichischer Krimi mit beständigem Schönwetter.

Simonischek: Es regnet doch einmal und zwar sehr kräftig. Wir hatten aber wirklich Wetterglück. Diese kurzfristigen Entscheidungen sind logistisch eine Herausforderung. Wenn es zum Beispiel an einem Tag regnet, wird die Regenszene gedreht. Alles wird umgestellt, da kann sein was will. Die Schauspieler aus Hamburg werden eingeflogen, und man muss trotzdem damit leben, wenn sich die Regenwolken wieder verziehen.

STANDARD: Muss es immer Schönwetter sein?

Simonischek: Da erfüllt sich eine Jugendfantasie. Es heißt nicht umsonst: "Mach es wie die Sonnenuhr, zähl die heitern Stunden nur." Ich kann mich an einzelne Skitage erinnern: in den Bergen, keine Wolke am Himmel und eine Liebe an meiner Seite. Es gibt Tage, die man nie vergisst - und die sind selten verregnet.

Vielleicht verkauft sich ein Fernsehfilm mit wolkenlosem Himmel aber auch einfach nur besser?

Simonischek: Ich glaube nicht, dass man einen ganzen Film so hinkriegt, wenn der Sommer verregnet wäre.

STANDARD: Was schätzen Sie an der Fernseharbeit?

Simonischek: Die Abwechslung. Ich bin über 20 Jahre an der Schaubühne in Berlin den immer gleichen Weg gegangen: Von zu Hause zur Probe, von der Probe nach Hause, von da zur Vorstellung und von der Vorstellung nach Hause. Irgendwann können Sie im Auto am Rücksitz sitzen, der Wagen findet den Weg auch alleine. Beim Fernsehen tauche ich in neue Welten ein.

STANDARD: Wie die Polt-Filme gilt Daniel Käfer als Musterbeispiel öffentlich-rechtlicher Fernsehunterhaltung, viele wünschten sich mehr davon.

Simonischek: Das ist leider nur zu verständlich. Qualität kostet Geld und findet nicht immer die gewünschte Quote. Dann gibt es eben Produzenten wie Wulf Flemming. Seine vorwiegende Intention ist nicht das Geschäft. Er weiß, dass er mit minderer Qualität mehr verdienen würde, und macht es trotzdem nicht.

Udo Samel: Man müsste ihm ein Denkmal setzen.

Simonischek: Mit diesem Film zum Beispiel. (DER STANDARD; Printausgabe, 24.3.2005)

Zur Person

Der in Graz geborene Burgschauspieler Peter Simonischek (58) verstrickt sich unter Julian Pölslers Regie in die dunkle Vergangenheit des Ausseerlandes. Udo Samel als ortsansässiger Antiquitätenhändler, Louise Martini als schroff-abweisende Frau Hürsch und ein ganzer Ort verschrobener Ausseer Einheimischer (Ludwig Hirsch, Karl Markovics) stellen sich ihm in den Weg.

Zu sehen in ORF 2 am Ostermontag, 20.15 Uhr.

Die Fragen stellte Doris Priesching

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    foto: orf
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