"Welcome Home": Schuld der Schwerfälligkeit

26. März 2005, 21:57
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Bekenntnis zu populärem politischem Kino, nur bedingt gelungen umgesetzt: Andreas Grubers Komödie "Welcome Home"

Mit der Komödie "Welcome Home" legt Regisseur Andreas Gruber ein dezidiertes Bekenntnis zu populärem politischem Kino vor – und setzt sich prompt zwischen alle Stühle.


Wien – Ein filmisches Denken und Arbeiten, das sich nicht notgedrungen an den Zwängen einer Wiener Insider-Partie und des Kabarett-wird-Film-Prinzips orientieren muss: Am Schaffen des in Wels/Oberösterreich ansässigen Regisseurs Andreas Gruber sieht man seine Licht- und Schattenseiten deutlich wie sonst vielleicht nur bei dessen Salzburger Kollegen Wolfram Paulus (Heidenlöcher).

Gruber, dessen politisches Engagement zwischenzeitlich so weit ging, in Wels als Kulturstadtrat aktiv zu werden, hat bis zum heutigen Tag beharrlich darauf bestanden, sich von den Schwerkräften der heimischen Branche möglichst nicht korrumpieren zu lassen. Dies zeitigte ein ungewöhnlich vielseitiges Schaffen zwischen Dokumentar- und Spielfilm, in beiden Bereichen mit einem expliziten Bekenntnis zu gesellschaftspolitischen Fragestellungen. Hasenjagd – Vor lauter Feigheit gibt es kein Erbarmen wäre hier etwa ebenso zu nennen wie Shalom General oder die Dokumentation T4-Hartheim – Leben und Sterben im Schloss.

Vor einigen Jahren (von Abschiebung und Tod des Marcus Omofuma war noch gar nicht die Rede) las Gruber eine Zeitungsnotiz, der zufolge Polizeibeamte bei der "Begleitung" eines Schubhäftlings im Ausland ernsthaft in die Bredouille gerieten – sie hatten, feine Pointe, selbst kein Einreisevisum. Mit Welcome Home versucht Gruber nun also, das erste hämische Lachen, das einem bei so einer Nachricht aufzukommen droht, tatsächlich in eine Komödie zu übertragen – ohne freilich in Zynismus zu verfallen.

Dies gelingt nur bedingt. Weniger, weil man über gewisse Pannen und Krisen nicht lachen sollte, als vielmehr, weil Drehbuch und Kamera von einer Seriosität gelähmt scheinen, die sich letztlich doch nicht sicher ist, ob man auch nur belächeln darf, was hier als Farce ausgebreitet wird. Rainer Egger und Georg Friedrich sind also als Landeier und Dorfgendarmen immer die Spur zu wenig borniert, um wirklich Lacher für oder gegen sich zu haben, während der Ghanaer Abdul Salis als Sympathieträger zwar auch in darstellerischer Hinsicht gute Figur macht, aber das ergibt weder Drama noch Satyrspiel. Der Rest: schöne Bilder aus Afrika. Dramaturgische Schwerarbeit, wo Leichtfüßigkeit gefordert wäre.

Rechtschaffen stur

Schon in seinem letzten Kinofilm Die Schuld der Liebe hatte Gruber versucht, Österreich heute (damals: Schatten der Vergangenheit eines "bürgerlichen" Vaters) quasi staatstragend und für ein breites nicht verblödetes Publikum zu erzählen. Er scheiterte gewissermaßen an einer noblen Pietät, die sich harte bzw. tiefe Schnitte verbietet.

Welcome Home zeigt diese Schwächen und diese rechtschaffene Sturheit noch drastischer, weil eben nichts trauriger ist als eine Komödie, in der es keine wirklichen Pointen gibt. Dies jetzt noch in Verbindung mit dem vielleicht hässlichsten Kinoplakat der letzten Jahre und rätselhaften PR-Entscheidungen, denen zufolge der Film parallel zur, aber nicht bei der Diagonale starten musste – wieder einmal rast heimisches Kino in stattlicher Kopienzahl an die Wand. Gruber, den wir weiterhin für einen der wichtigen Filmemacher dieses Landes halten, wird gut beraten sein, beim nächsten Projekt in jeder Hinsicht radikalere Maßstäbe anzulegen. Dem Vernehmen nach plant er eine Low-Budget-Produktion mit dem schönen Titel Das müde Geld.
(DER STANDARD, Print-Ausgabe, 24.3.2005)

Von Claus Philipp
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    foto: wega film
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