Novell fordert Windows am Desktop heraus

4. Juli 2005, 10:22
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Nächste Version des Novell Linux Desktops soll das Microsoft- Betriebssystem auch im Home-Bereich überflügeln

Ist die aktuelle Version des Novell Linux Desktops noch auf Spezialmärkte wie Call Center oder den öffentlichen Markt abgestimmt, so will der Softwarehersteller mit der nächsten Release in die Vollen gehen. Der Novell Linux Desktop 10 soll in jeder Hinsicht mit Windows konkurrieren - beziehungsweise dieses sogar überflügeln - können und so auch den Consumer-Markt ansprechen, so Desktop-Entwicklungschef Nat Friedman im Gespräch mit dem WebStandard.

Basierend

Mit der ersten Release sei die stabile Basis geschaffen worden, auf der nun die "coolen" Features aufsetzen können. Zu den Highlights der neuen Version soll mit Beagle unter anderem eine vollständige integrierte Desktopsuche zählen, die so gut wie alle Dateien indizieren und so äußerst flink durchsuchen kann. Eine erste Vorversion von Beagle wird bereits im kommenden SUSE Linux 9.3 enthalten sein.

Dimensionen

Die grafischen Möglichkeiten des Desktops soll das Xgl-Projekt in neue Höhen vordringen lassen. Dabei handelt es sich um das Aufsetzen des X-Servers auf eine OpenGL-Basis, wodurch die Software von den 3D-Beschleunigungsfunktionen moderner Grafikkarten profitieren kann. Damit sollten grafische Effekte, wie sie bisher nur unter Mac OS X zur Veröffentlichung standen, ermöglicht werden. Als Beispiel dafür demonstrierte Friedman dem WebStandard eine noch nicht veröffentlichte Software, die mittels Xgl dem Linux-Desktop eine Apples Expose ähnliche Funktion zum Überblick über alle Programme verschafft. In Kombination mit der Vektorgrafikbibliothek Cairo, die die Basis kommender GTK+-Version, und damit des GNOME-Desktops bilden soll, sollten so ganz neue grafische Welten ermöglicht werden.

Parallel

Trotz der offenbaren Dominanz von GNOME-Anwendungen bei den "grossen" Neuigkeiten im neuen Produkt soll aber auch weiterhin die Zwei-Desktop-Strategie fortgesetzt werden, auch im Novell Linux Desktop 10 wird es wieder die Auswahl zwischen KDE und GNOME geben. Allerdings sollen die beiden Desktops noch besser voneinander getrennt werden, im Novell Linux Desktop 9 wird bei der Entscheidung für einen Desktop auch ein Großteil des anderen installiert.

OOo

Weitere Ressourcen investiert Novell auch in der Verbesserung der freien Office-Suite OpenOffice.org, so hat die Firma erst unlängst wieder neue EntwicklerInnen angestellt, darunter auch den Chefentwickler der freien Excel-Alternative Gnumeric, Jody Goldberg. Ein zentraler Punkt der weiteren Entwicklung von OpenOffice.org sollen Performance-Verbesserungen darstellen.

Kein "SUSE Core"

Eine Absage erteilt Friedman hingegen Spekulationen, dass SUSE Linux in ein Community-Projekt a la Fedora Core verwandelt werden könnte, es gebe weiterhin einen Markt für das Retail-Produkt. Allerdings müsse die Entwicklung noch weiter geöffnet werden, z.b. durch die Veröffentlichung von regelmässigen Development-Snapshots und Beta-Versionen.

Vorsprung

Friedman zeigt sich jedenfalls überzeugt, dass man mit der nächsten Release erstmals technologisch einen Vorsprung vor Windows haben wird. Wann es den Novell Linux Desktop 10 allerdings auch wirklich zu kaufen geben wird, ist vorerst noch fraglich,ein fixes Releasedatum gibt es momentan noch nicht, allerdings wird es vorraussichtlich im Jahr 2006 liegen, jedenfalls noch vor Release der nächsten Windows-Version "Longhorn". (apo)

Andreas Proschofsky berichtet aus Salt Lake City von der Brainshare

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    foto: andreas proschofsky / derstandard.at
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