"Leben im Gutshaus": Herrin der Knechte

11. Mai 2005, 22:31
15 Postings

Wenn Mamsell Wiener weiter so streng ist, wandert das "Gutshaus" in die private Late Night

Leichte Defekte sind zu vermelden für die Zeitmaschine, welche zwanzig Menschen ins "Leben im Gutshaus" gut hundert Jahre retour bugsiert hat. Diese entbehren zwar die noch nicht erfundenen Annehmlichkeiten Strom und Telefon, kennen aber Gene Kelly und singen im Regen wie er. Dann sagen sie "Job", ‑ "o. k." und "Zickenterror" – dieses zeitlose Vokabular fasst auch schon alles, was in Belitz so abgeht.

Selbst Episoden mit vergleichsweise dramatischen Titeln wie "Donnerwetter" sind nur mäßig ausgestattet mit Bewegungs- und Sprechabläufen, die Handlung zu nennen man sich auch um 1900 nicht erlaubt hätte.

Herrschaft kurz weg ‑ (o. k.), vor ihrer Rückkehr Hausputz (Job), und prompt ist dann alles erst nicht sauber genug (Zickenterror). Während dieses munteren Treibens fällt das Wort "Super-GAU". Aber auch der macht noch kein "Abenteuer".

Dominiert wird die Serie durch die herbe Sarah Wiener. Als "Mamsell" steht sie zwischen Herr und Knecht. Alles vom Kammerdiener abwärts steht unter ihrem Pantoffel, den sie Schlapfen nennt.

"Der Maßstab der Dinge liegt woanders, nämlich hier", verkündet sie und weist gebieterisch mit dem Daumen auf sich. Selbst Männer, die strikte Kostverächter sind all dessen mit vorn oder hinten "soap" dran, hält Wieners Kommando vorm Bildschirm. Wenn sie weiter so streng ist, wandert das Ding, das vom ARD-Vorabend schon nach Arte Hauptabend gerückt ist, in die private Late Night. Sag noch mal "Domestiken", Sarah! (pen/DER STANDARD, Printausgabe, 23.3.2005)

  • Sarah "Mamsell" Wiener
    foto: ard

    Sarah "Mamsell" Wiener

Share if you care.