Strache war noch nie in Istanbul

22. März 2005, 17:18
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Der Wiener FPÖ-Chef im Interview mit der Stadtzeitung "Falter": "Der rechte Rand zieht mich genauso wenig an, wie der linke"

Wien - Der Obmann der Wiener FPÖ, Heinz-Christian Strache vergleicht das Verhalten des Kärntner Landeshauptmanns Jörg Haider im Interview mit der neuen Ausgabe der Wiener Stadtzeitung "Falter" mit dem Film "Und täglich grüßt das Murmeltier".

Auf die Frage, ob er nun FPÖ-Obmann werden wolle meint Strache, dass man nie etwas ausschließen könne, dass er aber zur Zeit andere Überlegungen habe. Trotz der Kritik an Haider schließt Strache ein Säbelduell aus: "Sicherlich nicht. Die FPÖ ist wie eine Familie: In jeder guten Familie gibt es Meinungsunterschiede."

Rechter Rand

Strache dementiert, dass ihn der rechte Rand des politischen Spektrums anziehe: "Ein Unsinn, der da verzapft wird! Diese Bilder werden seit Monaten bewusst aufgebaut. Ich bin nicht so verengt, wie manche mich darstellen. Der rechte Rand zieht mich genauso wenig an, wie der linke. Dieses Kastendenken ist vertrottelt." Der "Vlaams Blok" (Anm.: Jetzt "Vlaams Belang" genannt) sei keine rechtsextreme Organisation und der EU-Abgeordnete Andreas Mölzer sei mit Sicherheit kein Antisemit, das müsste man aufs Schärfste zurückweisen.

Auf die Frage, warum die FPÖ dagegen sei, dass Wehrmachts-Deserteure rehabilitiert werden, meint Strache: "Das ist eine schwierige Rechtsfrage. Viele Juristen vertreten die Meinung, dass man das nicht so pauschal festmachen kann." Der Wiener FPÖ-Chef weiter: "Ein Deserteur, egal in welcher Armee, ist kein Opfer sondern ein Täter." Sie hätten durch ihre Kriegs-Dienstverweigerung "Unschuldige am Gewissen."

Ob Österreich 1945 befreit wurde, beantwortet Strache so: "Sowohl als auch: Besetzt und befreit. Viele haben es als Befreiung empfunden, für viele andere aber hat das Leid erst richtig begonnen."

Istanbul

Zu den Plakaten "Wien darf nicht Istanbul werden" gesteht Strache, dass er selber noch nicht in Istanbul war. Er wisse aber aus Büchern und Dokumentationen, dass es eine "wunderschöne Stadt mit toller Kultur" sei. Er will jedoch keinen Melting Pot. Bürgermeister Häupl hingegen setze sich als Speerspitze für einen Beitritt der Türkei zur EU ein und erlaube einem "nationalistischen, türkischen Künstler namens Zaimoglu, mit Steuergeldern eine türkische Nationaltapete am Kunsthaus festzumachen".

Wenn man als Politiker ausspreche, dass Inländer an den Rand gedrängt würden, dann werde man gleich als Ausländerfeind hin gestellt. Es gebe aber sehr viele Ausländer, die sich hervorragend integriert haben. Aber leider gebe es auch Menschen, die überhaupt kein Interesse hätten, sich den hier vorhandenen Gepflogenheiten unterzuordnen, und "vorwiegend von der Sozialhilfe leben". Diesen Menschen müsse man sagen: "Bitte geht zurück in eure Heimat! Wir können mit unserem Wohlfahrtsstaat nicht ihr Nichtstun finanzieren."

Wien-Wahl

Zur kommenden Wien-Wahl gibt sich Strache selbstbewusst: "Als ich die Landesgruppe letztes Jahr übernommen habe, waren wir wirklich am Boden, bei 6,5 Prozent. Seither haben wir uns nahezu verdoppelt. Titelverteidiger Häupl hat nur einen Herausforderer, den HC Strache. Die Grünen fallen nicht auf, und auch nicht die ÖVP, deren neuer Obmann Johannes Hahn auch despektierlich Gockelhahn genannt wird."

Auf die Frage, bei welchem Ergebnis er abtreten würde, meint Strache: "Ich möchte die absolute Mehrheit brechen und Platz zwei halten."

Das ausführliche Interview erscheint im "Falter".

  • Strache bei einem Burschenschafter-Fackelzug und einer Kranzniederlegung vor der Krypta am Wiener Heldenplatz. In Istanbul war der Wiener FPÖ-Chef noch nicht.
    foto: stringer/austria

    Strache bei einem Burschenschafter-Fackelzug und einer Kranzniederlegung vor der Krypta am Wiener Heldenplatz. In Istanbul war der Wiener FPÖ-Chef noch nicht.

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