K. gründet eine Hundekack-Partei

22. März 2005, 19:23
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Jetzt, sagte K., würde er ernst machen. K. ist nämlich dagegen. Klar und deutlich. Ohne Kompromiss.

Es war eigentlich immer schon. Aber jetzt, sagt K., würde er ernst machen. Und eine Partei gründen. Denn wann, wenn nicht in einem Augenblick, in dem sich eine andere Partei in die Luft sprengt, wäre der Zeitpunkt besser, mit einer neuen Partei auf den Markt zu treten. Und auch wenn K. mit der FPÖ nichts anfangen kann, hofft er, auch in deren Reihen Anhänger und Wähler zu finden: Das Programmelement "Dagegen" wäre für diese Klientel doch ideal.

K. ist nämlich dagegen. Klar und deutlich. Ohne Kompromiss. Das, meint er, sei mehr, als andere bieten. K. will sich einem Thema widmen: Der Hundescheiße in der Stadt. Derzeit sucht er noch einen Namen. AKP (Anti-Kacke-Partei) gefiele ihm, ­aber als langgedienter Politik-Journalist weiß er, dass der Wähler Negativformulierungen in Namen nicht liebt. Derzeit, sagt K., tendiere er deshalb zu SGP -­ "Saubere-Gehsteige-Partei".

Hundeliebhaber

Gegen Hunde, erklärt K. allen, die ihm da mit dem Stellwagen, der Kronenzeitung oder der Hundepassage aus der "Unerträglichen Leichtigkeit des Seins" ins Gesicht fahren wollen, gegen Hunde richte sich seine Partei nicht: Er habe selbst einen, gehöre aber zu der von anderen Hundehaltern gehassten, "beschimpften und manchmal bedrohten" Minderheit, die die Scheiße einsacken und entsorgen. Er halte es, betont K., auch nicht für tierfeindlich, vorzuschlagen, dass Hundehalter auch nach Wohnungsgröße und Leumund gefragt werden – aber primär gehe es ihm um die Kacke. Die ist schließlich überall – und jetzt, im Frühling, falle sie noch mehr auf: Auf frisch vom Streusplit befreiten Gehsteigen könne man sie ja wirklich nicht übersehen.

K. ist sicher, gewählt zu werden: Zwei Drittel der Wiener hätten schließlich keinen Hund. Und zumindest der Hälfte des dritten Drittels, ist K. sicher, gehe es wohl auch auf die Nerven, wenn ihre Kinder in der Sandkiste, sie selbst in der Wiese oder ihre Schuhe in der ganzen Stadt ständig Kontakt mit dem weichen Glück hätten.

Weiches Glück

Und weil die politischen Mitbewerber mittlerweile ja ausnahmslos wirklich nur noch für sich selbst, ansonsten aber für alles und nichts zugleich stünden, fürchte er die Konkurrenz nicht. Nicht einmal Hans Dichand mache ihm mehr Angst: Der, sagt K., habe schließlich auch einmal verordnet, dass es Schwarzblau nicht geben dürfe ­und davon sei doch auch nichts übrig geblieben.

K. hofft auf Wahlen im Herbst: Je schlechter das Wetter, umso unmittelbarer vor die Haustüre ließen die Wiener ihre Hunde kacken. Ideal, so K., wäre also eine Woche Graupelschauer vor dem Urnengang: Denn da schicken manche Leute ihre Hunde in den Hof. Zischen die Koloniakübel. Und das einzige, was seiner Partei noch nachhaltiger dienen könne, als Kacke in Profilsohlen, meint K., sei das Odeur, dass sich durch ein Haus zieht, wenn ein kleiner Hof von zwei Hunden zwei Tage lang als Klo verwendet worden ist.

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von Thomas Rottenberg

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