Vorarlberg: Greenpeace wirbelt Staub auf

4. Mai 2005, 17:19
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Umweltexperten kritisieren Feinstaub-Messmethoden im westlichen Bundesland

Bregenz - Greenpeace erzürnt die Feinstaub-Messung Vorarlberger Umweltexperten. Die Umweltaktivisten maßen am vergangenen Freitag in Bregenz, Dornbirn und Feldkirch jeweils eine Stunde lang und erhielten schlechte Ergebnisse: Bundesweit "höchste Feinstaubwerte in Bregenz" und "dramatische Belastung" in Dornbirn und Feldkirch.

An drei Stellen der Landeshauptstadt wurden Werte zwischen 250 und 400 Mikrogramm gemessen, was dem Fünf- bis Achtfachen des gesetzlichen Grenzwertes entspricht. Jurrien Westerhof von Greenpeace: "Wir können davon ausgehen, dass in ganz Bregenz die Feinstaubbelastung höher ist, als es der Grenzwert vorschreibt."

Keine Beschönigung

Bürgermeister Markus Linhart (VP) will die "punktuellen Messungen nicht beurteilen". Das überlasse man dem Umweltinstitut des Landes. Dessen Leiter Dietmar Buhmann beschönigt die Feinstaubbelastung in Vorarlberg nicht: "Keine Frage, wir haben Grenzwertüberschreitungen." Die Greenpeace-Interpretationen der Messergebnisse bedürften jedoch einer "Klarstellung".

Kurzzeiterhebungen könnten nicht gleich interpretiert werden wie die gesetzlich vorgeschriebenen 24-Stunden-Messungen und der daraus errechnete Tagesmittelwert. Buhmann: "Die Feinstaubkonzentrationen unterliegen im Tagesverlauf großen Schwankungen."

Grenzwertverletzungen

Greenpeace interpretiere aber kurzzeitige Spitzenwerte als eklatante Grenzwertverletzungen. Buhmann sieht darin "einen klaren Widerspruch zu den gesetzlichen Bestimmungen". Als Beweis führt der Leiter des Umweltinstituts die Daten der Feldkircher Messungen vom 17. März an: "Wir haben einen Tagesmittelwert für die Feinstaubbelastung von 48 µg/m³ Luft ermittelt. Greenpeace berichtete hingegen von einer Belastung von 100 µg/m³ Luft und einer zweifachen Grenzwertüberschreitung."

Jurrien Westerhof: "Uns geht es nicht darum, wer die besseren Messwerte hat, sondern um Maßnahmen." Umwelt-Landesrat Erich Schwärzler (VP) verspricht für Juli einen Regierungsbeschluss. Die Bregenzer Luft wird während der nächsten sechs Monate Daten mit einer mobilen Messstation des Landes überwacht. (jub, DER STANDARD – Printausgabe, 22.03.2005)

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