Dialoge kaputter Herzen

21. März 2005, 20:53
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Drei Einakter von Neil LaBute im Theater Drachengasse: "Land der Toten. Einordnen. Ausflug"

Neil LaButes bislang übersetzte und hier bekannte Sprechstücke sind vorwiegend Geständnisgespräche, Aufdeckungsdialoge, fatale Fragespiele, die hinter dem Erzählten ein desaströses Erleben vermuten lassen. Die Figuren sind wenig mehr als einander "theatralisch" berührende Erzählstimmen. Weshalb Harald Posch die Szenen der drei für den großen Raum des Theater Drachengasse vorgesehenen Einakter denn auch auf den Kern der Sprechsituationen reduziert: Bloß eine in ungewissen Straßen- und Stadtbildern gehaltene Videowand markiert vor oder hinter den jeweiligen Paaren eine Bühne.

Es beginnt mit Einordnen, einem allmählich das Rätsel einer orgiastischen Nacht der Frau zutage fördernden Dialog während einer Autofahrt (Pilar Aguilera und Christoph Moosbrugger). Sie endet tödlich. Land der Toten ist der zweite und auf der Bühne wirkungsvollste Einakter, in dem am Ende einer Beziehung zwischen einem Mann und einer Frau auch das missglückte Ende einer Schwangerschaft steht. Vor allem Doina Weber (wieder mit Moosbrugger) bestimmt auf bemerkenswerte Weise, bloß im Wollmantel dasitzend, den kalten Herzschlag dieser Reden. Mit Christine Franz (13) als nichts ahnende Beifahrerin in Ausflug geht dann der Abend andeutungsweise zum Thema Kindesmissbrauch über. Posch hat das einfach und gut gelöst. (afze/DER STANDARD, Printausgabe, 22.03.2005)

Theater Drachengasse
1., Fleischmarkt 22
01/513 14 44
20 Uhr
  • Artikelbild
    foto: andreas friess /drachengasse
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