Aborigines-Weckerl

    29. März 2005, 15:18
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    Die Diversifizierung der Warenwelt schreitet unaufhörlich voran ...

    Ihr Chronist erinnert sich an seine Jugend: Da gab's beim Bäcker Semmeln, Salzstangen, Brezeln, zwei Sorten Schwarz- und zwei Sorten Weißbrot, und das war's dann auch. Heute offerieren die wackeren Bäckersleut ein ungleich umfassenderes Sortiment: Pizzastangen, Sesam-Laugen-Striezerl, Genuss-Plus-Käsesemmeln, Aktiv-Weckerln, Dreikorn-Handsemmeln, Dreikorn-Maschinsemmeln, St. Petersburger Nussecken, Plunder-Nussgolatschen, Topfenbällchen, Finnenlaibchen, Knusperspitz, Käsekornweckerl, Sechskornwuchtel, Kürbiskernknacker, Butterzapfen.

    Die Abwechslung bei Tisch ist dadurch zwar gewaltig verbessert worden, aber nicht minder gewaltig erschwert ist die Kommunikation, wenn man bei einem anderen als seinem Stammbäcker einkaufen geht: "Ich hätte gerne ein…." (Fingerzeig). "Ein Oliven-Ciabatta?" "Nein, das daneben" (abermaliger Fingerzeig). "Den Sechskorn-Spitz?" "Nein, dahinter" (dritter Fingerzeig).

    Der leicht gereizte Unterton der Verkäuferin läßt darauf schließen, dass die Bildungslücke des Kunden nicht estimiert wird. "Aso, das Aborigines-Weckerl wollen's." Jawoll, auch ein solches gibt es, und zwar beim Bäcker Ströck. Unbestätigten Gerüchten zufolge sollen auch die Entwicklungsarbeiten am Indigenen-Spitz schon weit fortgeschritten sein.

    Von
    Christoph Winder

    Winders Wörterbuch zur Gegenwart ist ein Work in Progress.

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