20er Haus "verrottet praktisch"

22. März 2005, 18:44
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Architekt Krischanitz kritisiert verschobenen Umbau - Albertina- Speicher ist eines der Hindernisse: "Kosten dafür waren nicht geläufig"

Wien - "Ich bin enttäuscht", sagte der Wiener Architekt Adolf Krischanitz am Montag über den (wie das Nachrichtenmagazin "profil" in seiner aktuellen Ausgabe berichtet) verschobenen Umbau des 20er Hauses. 2003 hatte Krischanitz einen EU-weit ausgeschriebenen Wettbewerb gewonnen, dessen Finanzierung schon von Beginn an fraglich war. "Die Verschiebung ist ein Wahnsinn", so Krischanitz. "Das 20er Haus - ein Denkmal der Moderne - verrottet praktisch".

Wieso Wettbewerb ohne finanzielle Deckung für Projekt?

"Man macht mit Architekten, was man will", sagte der empörte Krischanitz weiters. "Da haben sich neunzig Büros beteiligt, die hat man alle aufs Eis geführt." 11,5 Millionen Euro habe laut Ausschreibung das Projekt kosten dürfen. Freiwillig habe Krischanitz die Kostenplanung auf 9,5 Millionen Euro reduziert. "Es wundert mich zutiefst, dass man überhaupt einen Wettbewerb macht ohne finanzielle Deckung". Der verantwortliche Burghauptmann Wolfgang Beer, der gegenüber "profil" erklärt hatte, den geplanten Eröffnungstermin 2006 nicht halten zu können, sei auch Jurymitglied gewesen.

"Blamage für Österreich"

Krischanitz habe erst "vor ein paar Tagen" von der Entscheidung erfahren. "Das ist wirklich ärgerlich, denn das Büro und die Mitarbeiter sind ja auf das Projekt hin ausgerichtet. Da steckt ein großer Aufwand dahinter", so der Architekt. Abgesehen vom persönlichen Ärger sei die ganze Entwicklung aber auch "eine Blamage für Österreich". Er selbst habe "keine Ahnung, wie es jetzt weiter geht". Aber irgendetwas "muss geschehen, denn das 20er Haus steht unter Denkmalschutz".

Albertina- Speicher ist eines der Hindernisse für Umbau

"Viele kleine Projekte" verhindern den ab 2006 geplanten Umbau des 20er Hauses, das danach von der Österreichischen Galerie Belvedere bespielt werden werden soll. Dies bestätigte Burghauptmann Wolfgang Beer. Eines davon sei der Speicher der Albertina, dessen "Kosten nicht geläufig waren". Man hoffe dennoch, den Umbau des 20er Hauses auch später so durchführen zu können, wie Architekt Adolf Krischanitz ihn vorgesehen habe.

Burghauptmannschaft: "Zwischen verrottet und verrottet gibt es auch Unterschiede

Die sonstigen "kleinen Projekte" könne er gar nicht auswendig sagen, so Beer weiters. Die Verschiebung sei sehr bedauerlich, denn die Burghauptmannschaft habe ein "großes Interesse an der Sanierung". Entgegen Krischanitz' Einschätzung, der die Bausubstanz des unter Denkmalschutz stehenden 20er Hauses als "verrottet" bezeichnete, meinte Beer: "Zwischen verrottet und verrottet gibt es auch Unterschiede. Derzeit besteht weder Einsturzgefahr noch gibt es Substanzschäden".

Wollen 20er Haus provisorisch bespielbar machen

Allerdings seien Fluchtwege, Brandmelder und Alarmanlage veraltet, weshalb man ab sofort keine Vermietungen zulassen könne. Es sei aber daran gedacht, diese alten Anlagen "in der nächsten Zeit herauszunehmen und das Haus provisorisch bespielbar zu machen" für Feste und derartige Events, so Beer. Er hoffe sehr, dass Architekt Krischanitz "bei der Stange bleibe". Auch für Belvedere-Direktor Gerbert Frodl bedauere der Burghauptmann die Verschiebung: "Es schmerzt mich seinetwegen, denn auch die Zusammenarbeit bei der Gestaltung des Gustinus Ambrosi Museum war sehr gut".

Frodl: "Rückschlag"

Frodl bezeichnete die Verzögerung des Umbaus als "eindeutigen Rückschlag für unsere Bestrebungen einer raschen Reaktivierung dieses wichtigen Architekturdenkmals". Die Vorstellungen seitens Belvederes seien "jahrelang formuliert" worden: "Ein kluger Mix aus der Kunst nach 1918 bis hin zur neuesten Kunstentwicklung, eine Belebung des Kinos mit anspruchsvollem Programm sowie Sonderausstellungen, Events und Projekte" würden eine "perfekte Basis für einen Neubeginn" bilden. Durch die Verzögerung würde auch die Planung für die neue Heimstätte des Wotruba-Archivs ins Hintertreffen geraten. (APA)

  • Adolf Krischanitz' Umbaupläne für das 2oer Haus
    foto: atelier krischanitz

    Adolf Krischanitz' Umbaupläne für das 2oer Haus

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